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Earth Moving

Rezensionen

Eine neue Scheibe von Oldfield ist normalerweise nicht (mehr) weltbewegend; diese ist es. Zwar kommerziell geglättet und vokallastig ist "Earth Moving" doch voller Überraschungsmomente. Die musikalische Tiefe der zehn Songs, für die er acht Mitsänger einsetzte, erinnert an seine Instrumentalhöhepunkte. Chart-Favorit: "Innocent", nur mit Freundin Anita eingespielt. (aus Audio)


Ob Lebensgefährtin Anita Hegerland wohl mit der Trennung drohte? Anders läßt es sich kaum erklären, daß Mike Oldfield der blonden Nordeuropäerin wieder eine Chance gab, sich kräftig zu blamieren. Denn neben den übrigen Sängern auf dieser Platte - Chris Thompson, Adrian Belew, Max Bacon, Mark Williamson oder Maggie Reilly - wirkt ihr ohnehin schon zartes Schlagerstimmchen noch dünner. Doch das allein ist nicht der Grund dafür, daß Oldfield-Anhänger bei "Earth Moving"  nicht auf ihre Kosten kommen. Der Verzicht auf den üblichen Longsong gibt dem englischen Multi-Instrumentalisten neun Chancen, mitreißende Rockstücke zu schreiben. Doch leider nutzt er davon nur zwei: "See The Light", gesungen von Chris Thompson und Phil Spalding, kann dabei die Seelenverwandtschaft mit "Shadow On The Wall" nicht verbergen, und bei "Blue Night" hört man, daß Oldfield das Kapital von Maggie Reillys warmer, weicher Stimme für einen "Moonlight Shadow"-Nachzieher nutzen wollte. Bei den restlichen sieben Songs ersetzt der Einzelgänger musikalische Kreativität durch mäßig einfallsreiche Synthesizer-Programme. Von den filigranen Songideen früherer Jahre bleibt nicht viel übrig. Ohne Höhepunkte plätschern die Liedchen dem herbeigesehnten Ende entgegen. Die harten Gitarrenriffs in "Hostage" und "Bridge To Paradise", die wohl Rock´n´Roll-Gefühl vermitteln sollen, klingen in diesem süßlichen Brei reichlich deplaziert. ** Interpretation: 05-07. (aus Stereoplay)


Rückblickend betrachtet steht fest, daß Mike Oldfield die musikalische Welt bewegt hat. Sein "Tubular Bells"-Album gehört heute zu den Meilensteinen der Instrumentalmusik. In der Zwischenzeit hat er über seine eigenbrötlerische und elitäre Musik in die Niederungen der Massen-Pop-Kultur gefunden und dort fühlt er sich offenbar auch sehr wohl. Seine Songs sind inzwischen das Futter der Radio-Unterhaltung, im 3-Minuten-Format mit Ohrwurm-Charakter und leicht mitzusingen. Dafür holt er sich renommierte Gesangskollegen vors Mikro, die den Titel dann präsentieren. Die Qual der Wahl, wen er denn nun für die Interpretation holt, fällt seit seiner Heirat mit Anita Hegerland leicht aus. Anita darf und kann. Ohne jeden Zweifel ist "Innocent" ein Sommerhit erster Güte, nicht zuletzt wegen des eindrucksvollen Gesangs. Aber auch schwerere Songs, wie der Titelsong, haben durchaus Hit-Qualitäten. Oldfield hat ein goldenes Händchen für Melodien, die sich festsetzen und solange man so schnell süchtig nach seinen Scheiben wird, solange darf der ruhig noch auf der Pop-Schiene weitermachen. Er kann ja auch anders! (unbekannte Quelle)