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Diese verwirrende Album bedurfte eines klärendes
Wortes vom Meister höchstselbst. Nicht nur, weil
Multi-Instrumentalist Mike Oldfield jetzt auch noch singt,
sondern weil er obendrein noch bewährte Melodiefolgen wie
ein Berserker zerhackt – besonders quälend nachzuhören
in "Music From The Balcony", einem 20minütigen
Opus in der Tradition von "Tubular Bells". Als
Oldfield das Werk komponierte, lag er, eigenen Worten
zufolge, gerade mit Richard Branson, dem Boß seiner
Plattenfirma, im Clinch. Die akustischen Resultate dieses
Streits bestehen in "Music From The Balcony" aus
wüsten Sound-Collagen, die immer wieder die Harmonie
zerstören. "Ich kann eben nur so schreiben, wie ich
mich gerade fühle", erklärt der Künstler seine
kompositorischen Wutanfälle. Demnach muß Oldfield bei
der Arbeit an der anderen Seite von "Heaven´s
Open" ziemlich gut draufgewesen sein. Da gibt´s, von
Michael mit kraftvoller, aber gewöhnungsbedürftiger
Stimme vorgetragen, nämlich alles, was der Pop-Fan wünscht:
Vom hymnischen Chart-Aspiranten über einen
dancefloor-orientierten Titel bis hin zu Oldfields
Vorstellung von Reggae. Langweilig wird´s bei soviel
Abwechslung fast nie – so richtig spannend aber auch
nicht. (aus Musik-Express)
Der klampfende Schöngeist geht wieder auf
Nummer Sicher: So umfaßt der erste Zyklus fünf locker
gestrickte und leicht verdauliche Pop-Songs. Mal abgesehen
von einem Ausflug ins sonnige Reggae-Terrain ("Gimme
Back") nichts umwälzend Neues, würde der Meister
nicht erstmals selbst zum Mikrofon greifen – eine
Aufgabe, der er sich mit Bravour entledigt. Ob er mit
seinem voluminösen Klangassoziationen in der fast 20minütigen
Suite "Music From The Balcony" dann aber tatsächlich
die Himmelstür öffnet, möchte ich doch bezweifeln. Mir
jedenfalls fehlt bei dem Breitwandepos, das munter
zwischen kantigem Rock, subtilem Jazz und intellektueller
Avantgarde hin und her pendelt, die verbindende Klammer. (aus
Hifivision)
Mal konzeptionell, mal rockiger, mal
poppiger produzierte sich Michael Oldfield in der
Vergangenheit – mit Gast-Vokalisten. Jetzt singt der
scheue britische Klangtüftler selbst – nicht mal so
schlecht. Allerdings fehlt ihm zu veritablen Sänger doch
der Biß – unüberhörbar in der Folk-Reggae-Kombi
"Gimme Back". Des Silberlings zweiten Teil nimmt
"Music From The Balcony" ein: elegisch, mit
exotischen Soundeffekten, rockigen Zwischenparts und
Sax-Fanfaren. Dafür werden sich für Oldfield kaum die
Himmelspforten öffnen. (unbekannte Quelle)
Die Formkurve von Mike Oldfield zeigt endlich wieder
nach oben – zumindest eine Plattenhälfte lang. Da tüftelte
der britische Multi-Instrumentalist fünf reizvolle
Popsongs aus, die all das bieten, was Oldfield-Fans länger
vermißten: vor allem seine typischen, zwar nicht gerade
virtuosen, dafür aber um so melodiöseren Gitarrensoli,
aber auch die reizvolle Vermischung von Musik und Rhythmen
verschiedener Kulturkreise. "Gimme Back" ist
hierfür das Paradebeispiel: Oldfield verbindet eine sehr
britische Folkweise mit einem entspannten Reggae-Rhythmus.
Die erneute Zusammenarbeit mit dem alten Freund und
Produzenten Tom Newman macht sich also bezahlt. Newman war
es auch, der Oldfield davon überzeugte, auf Gastsänger
zu verzichten und sich selbst ans Mikrofon zu stellen. Das
Ergebnis gibt beiden recht.
Es wäre also alles eitel Sonnenschein, gäbe es nicht
noch eine B-Seite. Die füllt ein einziger Titel aus,
"Music From The Balcony". Wie schon bei
"Amarok" 1990 stückelt Oldfield durchaus nette
musikalische Ideen, die allerdings einen ganzen Song nicht
tragen, aber auch solche Einfälle, die besser nie ihren
Weg auf LP oder CD gefunden hätten, vollkommen willkürlich
und mit abrupten Brüchen zusammen. Wer diese wüste
Klangschlacht durchsteht, braucht gute Nerven. Dem
Rezensenten gelang es erst im dritten Anlauf. (Kai
Holoch)
Brüderlein und Schwesterlin haben beinahe
zeitgleich ihre neuesten Werke in Vinyl veröffentlicht.
Damit hören die Gemeinsamkeiten der beiden Oldfields
aber auch schon auf.
Der große Bruder Mike, der sich auf Michael besonnen
hat, liefert nämlich mit "Heaven´s Open" ein
streckenweise mutiges und experimentierfreudiges Album
ab, dessen Opener schon zweimal hinhören läßt. "Make
Make" ist für den Synthi-Künstler ein ungewöhnlich
rockiges Stück, dem man sogar Hitchancen einräumen muß.
Überhaupt sind die fünf Songs der A-Seite recht poppig
geraten, und Michael traut endlich nicht nur seinen
Ohren, sondern auch seiner Stimme, mit der er jahrelang
sozusagen auf Kriegsfuß stand. Eingefleischte
Oldfield-Fans werden auf der zweiten Seite mit der
20minütigen Klangcollage "Music From The Balcony"
bestens bedient, denn Mister Oldfield pflegt hier alte
Tugenden, die er mit neuen Ideen garniert.
Schwester Sally "Natasha" klingt dagegen recht eintönig.
Ihr Rückzug in die Innerlichkeit mag ihrem Seelenleben
sicher gut bekommen, doch der Musik ist dieser neue Weg
nicht förderlich. Eine gehörige Portion Temperament täte
der talentierten Sängerin und Songwriterin beim nächsten
Mal jedenfalls sehr gut. (aus Recklinghäuser Zeitung) |