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Music Of The Spheres

Rezensionen

So bodenständig sich Mike Oldfield auch nach vierzig Jahren im Business gibt, so abgehoben sind seine künstlerischen Konzepte: Nicht weniger als die "Musica Universalis", die unhörbaren Klänge der Himmelskörper, mit denen sich schon Pythagoras und Goethe auseinander gesetzt haben, will der englische Ausnahmemusiker auf seiner neuen CD in eine Form bringen. Und das Experiment gelingt: Aufgenommen vom Sinfonia Sfera Orchestra in den legendären Londoner Abbey Road Studios entfalten Oldfields Kompositionen einmal mehr ihren meditativen Reiz. Trotz komplexer Arrangements geben sich die vierzehn Tracks angenehm unverkopft. Berühmte Gastmusiker wie der Starpianist Lang Lang und die Sängerin Hayley Westenra sorgen für glamouröse Akzente. Der Soundtrack zur Unendlichkeit des Universums. (aus GQ)


Natürlich war Mike Oldfields "Tubular Bells" ein wegweisendes Album des Progressive Rocks. Außerdem verkaufte es an die 18 Millionen Exemplare - und ist so eines der erfolgreichsten Debüts der Rockgeschichte. Gleichzeitig schrieb Oldfield mit "Moonlight Shadow" einen der fürchterlichsten Songs der Musikgeschichte. Mit "Music Of The Spheres" setzt der Mann, der eben doch manchmal deftig daneben greift, glücklicherweise den Weg der letzten Jahre fort: Gemeinsam mit seinem Arrangeur und Orchestermeister Karl Jenkins versucht er sich an einem Spagat zwischen Klassik und Meditationsmusik, zwischen satten Orchesterarrangements und schwebendem Gitarrenpicking.

Um den Überbau dieser Platte in seiner ganzen Breite zu erfassen, wäre ein naturwissenschaftliches Studium vermutlich von Vorteil: "Musica Universalis" ist nicht nur ein Song auf dem Album, sondern auch eine musikwissenschaftliche Theorie, in der der Zusammenhang zwischen Harmonie und Schwingung, zwischen Mathematik und Melodie in der Himmelskörperforschung ausgelotet wird.

Wie das klingt? Nun, zunächst klingt es nach Mike Oldfield, also nach Musik, die zuvorderst nicht aus dem Herzen, sondern aus dem Gehirn kommt, was keinerlei Wertung darstellen soll. Oldfield schöpft weniger, als daß er konstruiert. Und die Außenhaut dieser Konstruktion, die ist schließlich das sichtbare Kunstwerk. Lang Lang wirkte an den Tasten mit, Hayley Westenra singt. Und einer der Impulsgeber ist Oldfields oben erwähnte Gitarre. Die Verortung der Platte ist also nach wie vor eine schwierige, aber eines dürfte klar sein: In diesem Niemandsland zwischen E- und U-Musik, zwischen den Welten und thematisch eben zwischen den Planeten, da ist Oldfield nach wie vor eine Kapazität. (aus CNET)


Wo Mike Oldfield draufsteht, ist auch 2008 Mike Oldfield drin - etwas anderes würde man auch nicht erwarten. Spannender die Frage, in welcher Form und Verfassung der Künstler sein aktuelles Album präsentiert. Denn allzu oft in der Vergangenheit langweilte Oldfield mit uninspirierten und austauschbaren Wiederholungen früherer Erfolgsformeln.

Natürlich bewegt sich die "Music Of The Spheres" in vertrauten Oldfield-Gefilden - diesmal in der Klassik-Umsetzung eines über 70 Mann starken Symphonie-Orchesters. Sahnehäubchen bilden die Gesangspassagen der Sopranistin Hayley Westenra und das Spiel des chinesischen Pianisten Lang Lang. Aufgenommen wurde das Werk in den legendären Londoner Abbey Road-Studios.

Die übermächtigen "Tubular Bells" lassen auch auf "Music Of The Spheres" herzlich grüßen und finden in Form von Zitaten ihren Niederschlag, so etwa im allerdings höchst durchschnittlichen Opener "Harbinger". Weitaus hörenswerter gestaltet sich danach "Animus" mit seinen ausdrucksstarken Melodiebögen und dezenter Akustikgitarre. Dieses Instrument setzt Mike auch im filigran ausgearbeiteten "Silhouette" ein, das zusätzlich mit sanften, perlenden Pianoläufen veredelt voll überzeugt. Aufgeregt irrlichtern die Streicher im mit Bläsern angereicherten, dramatisch arrangierten "The Tempest".

Wohlklang, Harmonie, doch oft auch ein Hauch von Langeweile - Oldfields Veröffentlichung verfügt über einige schöne, doch leider auch belanglose Kompositions-Parts. Dann und wann eingeflochtene, dynamischer aufgebaute Teile wecken den Hörer zwar rechtzeitig auf, machen "Music Of The Spheres" aber dennoch nicht zu einem absolut runden, deutlich überdurchschnittlichen Album.

Nach der Reprise von "Harbinger" leitet "On My Heart" zum zweiten Teil der Platte über. Dieser Titel besticht besonders mit dem klaren, elfenhaften Sopran Hayley Westenras und schmeichelt sich warm und weich in die Ohren. Das ebenfalls mit Gesang unterlegte "Aurora" bietet dem Orchester reichlich Gelegenheit, seine Klasse auszuspielen. Doch im Fortlauf macht sich oft leichte Ermüdung beim Hörer breit, ob des Übermaßes der einlullend die Seele streichelnden Klänge.

Richtige Abwechslung besorgt mit vollem Orchester-Einsatz noch einmal "Empyrean", der Lichthimmel. Bilder aus den (Hollywood)-Glanzzeiten des römischen Imperiums gleiten vor meinem geistigen Auge vorüber. Julius Cäsar lässt die Würfel fallen, und Oldfield seine Glocken klingen. Mit dem gute Momente aufweisenden "Musica Universal" beendet Mike Oldfield den neuesten Ausflug in seine ureigensten musikalischen Sphären.

Fraglos ist "Music of The Spheres" für den Oldfield-Fan und Freunde instrumentalen Wohlklangs eine runde Sache. Für den einen sicher entspannend und wohltuend, für den anderen auf Dauer zu bleiern und gleichförmig. Manch interessante Idee erstickt in althergebrachter Beliebigkeit. Oder am Übermaß von Pomp und Pathos, den das Orchester unter der Leitung des Dirigenten Karl Jenkins allerdings stets hochklassig in der instrumentalen Ausarbeitung inszeniert. Zurück bleibt ein zwiespältiger Gesamteindruck von Chill Out mit Klassik-Attitüde. (aus laut.de)


Das neue Album von Mike Oldfield bringt überraschende Töne mit sich. So läßt der Altmeister sein aktuelles Werk doch tatsächlich von einem klassischen Sinfonieorchester einspielen – wer hätte das gedacht? Zu Hilfe kam ihm dabei Karl Jenkins als Arrangeur und Dirigent, der das ursprünglich per Computer konzipierte Werk für die Orchesterumsetzung umschrieb und die Leitung des „Sinfonia Sefra Orchestra“ übernahm. Oldfield selbst spielt die klassische Gitarre und nimmt sich dabei als Instrumentalist ganz zurück. Im Vordergrund steht diesmal wirklich nur die Komposition – und die hat’s in sich.

Idee des Werks ist die uralte menschliche Vorstellung, die Bewegung von Himmelskörpern in einer Art Sphärenmusik musikalisch ausdrücken zu können. Im Booklet schreibt Oldfield dazu: „Every planet and every star; the whole universe has music within it that no-one can hear. This is what it would sound like if it was set free.” Sehr esoterische Ansichten also. Und ebenso klingt auch das Album.

Aufgeteilt in zwei Hälften mit je sieben Tracks, die zum größten Teil nahtlos ineinander übergehen, macht Oldfield zwar keine Anstalten, sich an das althergebrachte Konzept der klassischen Sinfonie zu halten, doch der Höreindruck ist überwältigend. Natürlich kann es der Meister nicht lassen, Elemente aus seinem berühmtesten Werk  "Tubular Bells" mit einfließen zu lassen, die sich dann in den Tracks "Harbinger" und "Harbinger Reprise" wiederfinden. Dies aber eher als Suchspiel für Kenner.

Es gelingt Mike Oldfield ohne weiteres, die Atmosphäre seiner progressiven Instrumentalwerke (die sich in den letzten Jahren vor allem in Chill-Out-Loungen verstecken mußten) auf die neue Instrumentierung zu übertragen. Streicher, Piano und Glockenspiel erzeugen im Opener einen feinen Klangteppich, der jeden im Konzertsaal zum träumen bringen wird. Die klassische Gitarre steigt zum Beginn von "Animus" mit ein und paart sich mit säuselnden Backgroundstimmen. Das sind die esoterischen Elemente, bis wieder das komplette Orchester gewaltig einsteigt. Stellenweise wähnt man sich zwischen opulentem SF-Soundtrack und der klanglichen Weite des Wilden Westens (John Barrys "Dances With Wolves"), bevor die stillen Gitarrentöne in "Silhouette" und "Shabda" zurückkehren. Am Piano findet sich kein geringerer als der weltbekannte Lang Lang, der in den prägnanten Läufen unglaublich zart in die Tasten greift.

"The Temptest" bringt Unruhe mit hektischen Streicher- und Bläsertönen. Oldfield legt virtuos gezupfte Gitarrentöne dazwischen. Doch der erste ganz große Moment kommt mit "On My Heart" und der Stimme von Hayley Westenra, die irisch anmutende Klänge mit ins Spiel bringt. Eine wunderschöne Stimme, die zum Glück mehr nach Enya als nach Opernarie klingt.

Der zweite Teil startet mit dem klangvollen "Aurora" erneut streicherlastig und führt über sphärische Chorarrangements und das erneut starke Klavierspiel Lang Langs zu Hayley Westenra zurück. In "The Other Side" klingt die Gitarre wie ein mittelalterliches Menuett am Cembalo. Ein Eindruck, der durch die Fanfarentöne zu Beginn von "Empyrean" noch verstärkt wird. "Musica Universalis" bringt schließlich ein bombastisches Finale und läßt verschiedene Instrumente ein Thema immer wieder aufnehmen, das von treibenden Streicherklängen unterlegt ist.

Ein wunderschönes Werk, das ich in dieser Form von Mike Oldfield nicht mehr erwartet hätte. Es stellt sich die Frage, wie hoch der Anteil von Jenkins am Ergebnis war und ob eine Umsetzung in Computersounds das gleiche Aufsehen erregt hätte oder im Gesamtwerk untergegangen wäre. Kompliment jedenfalls für den Charteinstieg auf Platz 14 in Deutschland. Die Entscheidung zum Orchester war goldrichtig. Meine Empfehlung für Freunde spannender Musik. Ein sinfonisches Konzept, das der Meister gerne weiter verfolgen darf. (aus Musicheadquarter)