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The Millennium Bell

Rezensionen

Süßer die Glocken nie klingen, als zur Millenniumszeit! Das dachte sich auch Glocken-Experte Mike Oldfield, der bereits 1973 mit "Tubular Bells" das Standardwerk zum Thema "Glockenspiele in den Zeiten von New Age" veröffentlicht hat. Angesichts der Jahrtausendwende durchbricht Oldfield sogar seinen gemächlichen Release-Rhythmus und läßt den beiden unlängst veröffentlichten Alben "Tubular Bells III" und "Guitars" mit "The Millennium Bell" noch eine Retrospektive der vergangenen 2000 Jahre folgen.

Ähnlich wie bei der instrumentalen Chronologie zur Entstehung der Gitarre wandert Oldfields musikalischer Blick auch auf dem neuen Album durch einzelne Episoden der Menschheitsgeschichte: Christi Geburt und der damit verbundene Beginn unserer Zeitrechnung, die Inka-Kultur Perus, die Entdeckung Amerikas und der nachfolgende Sklavenhandel, die Regierung der Dogen in Venedig, die Romantik, Chicagos Gangster, der Zweite Weltkrieg und das digitale Informationszeitalter - dies sind die Stationen, denen sich Oldfield zumeist mit orchestralem Bombast und einer kleinen Schwäche für große Gesten widmet. So springt er vom Gospel zu Rondo Veneziano, von Musical-Anklängen zu Party-Techno, von Krimimelodien zu afrikanischen Gesängen. Seine Gäste sind dabei (neben der Gitarre sowie unzähligen Computern) das London Session Orchestra, The London Handel Choir, The Grant Gospel Choir, Percussionist Gota Yashiki und DJ Pipi. Eine ambitionierte Zeitreise zum Ab- oder Entspannen. (Björn Döring, aus Amazon)


Man will es ja gar nicht an die große Glocke hängen, aber es gibt eine neue Platte von Mike Oldfield, die letzte des alten Jahrtausends, die erste des neuen Millenniums. Und süßer die Glocken nie klangen, denn sie heißt "The Millennium Bell", und es klingelt und klöppelt, daß man richtig eins auf die Glocke kriegt, und die Plattenfirma sagt entschuldigend, es gebe halt Künstler, die sehr oft eine Platte machen und das auch schon sehr lange, also Mike Oldfield zum Beispiel, der Großglöckner, dessen Glocken läuten am lautesten.

Schon die "Tubular Bells", Teil 1 bis 3, und jetzt die gesamte Weltgeschichte bis zum heutigen Tag, von der Schöpfung in Stunde Null, übrigens vorletztes Jahrtausend ("Peace On Earth"), über die weisen Worte der Inkas in Peru ("Pacha Mama"), mitgeteilt von einem Fremdenführer, vom "Leid der Sklaverei" zum "venezianischen Reichtum" in nur einem Stück, das ist Weltglockenrekord, vom Verbrechen im Amerika der 20er Jahre zur Befreiung Europas von den Nazis, von Pontius zu Pilatus, vom Stöckchen aufs Steinchen, from despair to where, for whom the bell tolls, einst aus Erz gegossen, zu Grütze geworden in den Händen von Mike Oldfield. Eine Glocke, die das Jahrtausend verdient hat. Auch wenn sie bloß eine Pfeife ist. Wertung: * (Arne Willander, aus Rolling Stone)


Das zweifach verbogene Staubsaugerrohr auf dem Cover kennen wir von "Tubular Bells", und auch Oldfields Gitarrenspiel seit der gerade mal ein halbes Jahr alten, letzten CD von ihm ("Guitars") hat man auf diversen Platten von Oldfield und seinen Gesinnungsgenossen (Enigma, Jean Michel Jarre, Vangelis etc.) in der einen oder anderen Form schon mal gehört. Anhänger von Oldfield werden dennoch wieder voll auf ihre Kosten kommen, denn er greift für "Millennium Bell" ganz tief in die Trickkiste des Instrumentalmusikproduzenten: Fette Chöre, tonnenweise übereinander geschichtete Keyboard-Layer, vorsichtige Ethno-Ausflüge und sogar ein kleiner Gospel-Seitensprung ("Sunlight Shining Through Cloud"). (aus Spiegel Online)