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Tubular Bells II

Rezensionen

O je, so zerstört man Legenden. "Tubular Bells", 1973, ja, das war (ist) eines jener großen Konzeptalben der Popgeschichte, mit dieser unnachahmlichen Steigerung, mit dem – Gänsehaut auslösenden – Höhepunkt, der alles entscheidenden Ansage. Und heute? Nummer zwei, mitproduziert von Trevor Horn, ist ein mehr oder minder grauseliger Aufguß: zerstückelt in 14 Einzelteile, kitschig, gequält bombastisch, mit glattem Programming krampfig auf modern getrimmt - absolut überflüssig. Schaudern statt Gänsehaut. (aus Kurier am Sonntag)


"Es ist sinnlos eine Fortsetzung zu schreiben, wenn sie sich vom Original völlig unterscheidet", greift Mike Oldfield naheliegender Kritik vor. Der Brite nahm den Faden seines 16-Millionen-Erstlings nach 20 Jahren auf und spinnt ihn konsequent fort. Obwohl Bataillone von New-Age-Jüngern versuchten, ihm nachzueifern, ist Oldfield ihnen an Finesse, im legeren Spiel im Spannungselementen, der Kombination elektronischer und echter Instrumente klar voraus. Ein wenig schal wirkt´s dennoch – das Rad der Zeit blieb ja nicht stehen. (aus Stereoplay)


Um mit der Tür ins Haus zu fallen: Das Original hat mich lange als eine der Inselplatten begleitet und besitzt noch immer einen Ehrenplatz in meiner Sammlung. Was aber den englischen Multi-Instrumentalisten dazu bewogen hat, eine Fortsetzung seines über 16 Millionen Mal verkauften Debüts aufzunehmen, bleibt sein Geheimnis. Das von Oldfield zusammen mit dem Produzenten der 72er-Einspielung, Tom Newman, und dem Sound-Fetischisten Trevor Horn co-produzierte Album läßt nämlich viele Fragen offen. Zum Beispiel die, warum das offenkundig als Fortsetzung konzipierte Werk kaum neue Einfälle zu bieten hat: Der Aufbau der Komposition orientiert sich deutlich an der Urfassung, lediglich hier und da wurden einige Instrumente und die damit verbundenen Passagen ausgetauscht bzw. vom Tempo her variiert. Selbst die zeitgemäßer gehaltenen Arrangements schlagen nur kurz einmal einen Haken, um anschließend zur Quelle ihres Ursprungs zurückzukehren.

Natürlich hat "Tubular Bells II" eine State-of-the-art-Produktion erfahren, hat das verantwortliche Trio alle Register moderner Tontechnik gezogen. Logischerweise birgt diese Tatsache (und die spielerische Klasse des Musikers Mike Oldfield) auch den größten Reiz, sich mit dem von ihm fast im Alleingang eingespielten Album auseinanderzusetzen. Denn: Inhaltlich besitzt die High-Tech-Dublette nicht die Kraft, um am Lack des Originals zu kratzen – dafür fehlt dem Komponisten und Musiker Oldfield schlicht der Wagemut, um neue Wege zu gehen. So bleibt die 92er Version lediglich eine Anhäufung von Selbstzitaten, eine moderne Variante eines erfolgreichen Rezeptes – vergleichbar mit der 100. Neuinterpretation von Beethovens 9. Symphonie

Ob es nun an der Angst des Künstlers vor dem Versagen lag (Oldfields letzte Platten waren kommerziell nicht gerade der Hammer, dies ist sein Debüt auf einem neuen Label), ob ihm nichts mehr einfällt (was durchaus menschlich wäre) oder ob "Tubular Bells II" etwa mit dem Kalkül produziert wurde, einen Teil der Käuferschicht des Originals zurückzuerobern. Diese Fragen bleiben letztendlich offen. Möge jeder selbst eine Antwort für sich finden, so wie ich sie für mich gefunden habe: Ich bleibe beim Original! (Andreas Fürbach, aus Fachblatt)


Mike Oldfield mag die Urversion von "Tubular Bells" nicht mehr hören. Über sein weltberühmtes Werk sagt er heute: "Es klang alles so ernsthaft." "Tubular Bells II" hingegen, so ihr Schöpfer, "ist viel offener und expressiver". Der in letzter Zeit vom Erfolg nicht gerade verwöhnte Brite hat zusammen mit seinem Producer Trevor Horn ein ausgesprochen "effekt-volles" Album aufgenommen, dessen Musik alte Themen und neue Sounds in sich vereint. Das Ergebnis läßt den originellen Charakter des Originals schmerzlich vermissen. Der Multiinstrumentalist delektiert sich an den Vorzügen modernster Studiotechnik. Letztendlich gelingt es ihm jedoch nicht, der Fortsetzung des Megasellers eine Daseinsberechtigung zu verschaffen. Daran, gewisse Zugeständnisse an aktuelle Sounds zu machen, hat der Musiker mit der früher-war-alles-besser-Mentalität mit Sicherheit auch keinen Gedanken verschwendet. "Tubular Bells" war ein epochales, "Tubular Bells II" ist ein überflüssiges Werk. (Rüdiger Rapke, aus Rockworld)


Ob man Mike Oldfield nun mag oder nicht: Das Remake des 73er Supersellers "Tubular Bells" (nach den "Orchestral Tubular Bells" von 1975 eigentlich schon Teil III des epischen Opus) ist sicher keine schlechte Platte. Kann sie auch gar nicht sein. Denn Oldfield, der wieder mal fast alles allein gemacht hat, orientiert sich formal wie instrumental stark an der weltberühmten Vorlage. An einer Platte also, die seinerzeit immerhin als Meisterwerk der Popkunst eingestuft wurde. Klar, jetzt klingt der Megamix aus Rock, Folk und Klassik viel feiner. Immerhin hat Trevor Horn mitproduziert. Aber sonst ist eigentlich fast alles wie früher: virtuose Gitarren in allen Variationen, könnerhaft eingesetzte Keyboards, Glöckchen. Unter ein paar beigemischten Stimmen sogar Oldfields eigene. Das alles vereint der genialische Meister erneut zu einer faszinierend harmonischen Synthese aus Kitsch und Kunst. **** von ******. (W. Theurich, aus Musik Express/Sounds)
 


Originell ist die Idee ja: 20 Jahre später noch einmal nach dem selben Schema ein Album aufnehmen - gleicher Ablauf, gleiche Sounds, nur Themen und Motive variieren, umspielen, verfremden. Mike Oldfield tut´s! Der Mega-Seller "Tubular Bells" dient dem Meister der schmeichelnden Klangfarben und des folkig angehauchten Kitsches als Vorlage für ausgedehnte Sessions mit sich selbst. Schon das Röhrenglocken-Cover im peppigen Gelb-Blau signalisiert: Hier wurde Altbekanntes neu eingefärbt. Und doch, die Differenz zum Original ist überdeutlich! Damals war Oldfield ein unbekannter Musiker voller verträumter, versponnener und witziger Ideen, der alles auf eine Karte setzte (und nebenbei die Home-Recorder-Bewegung begründete). Seine auf fast allen Instrumenten selbst im Mehrspur-Heimstudio eingespielte Musik fiel so aus dem Rahmen, daß niemand sie herauszubringen wagte - bis die Kleinfirma Virgin einstieg und damit den großen Durchbruch hatte! Heute ist Oldfield Multimillionär mit Zeit und Cash, Trevor Horn produziert und Warner Brothers verlegt sein Werk. Doch wie viele, die reich, satt und selbstzufrieden geworden sind, rennt er nur noch den verlorenen Ideen - und Idealen? - seiner Jugend nach. Perfekt gemacht, angenehm zu hören - weckt aber vor allem die Sehnsucht nach dem Original. Und den alten Zeiten... (aus Wildwechsel)