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Star wider Willen: 1974 - 1975

Mike Oldfield hatte immer von diesem Erfolg geträumt, der sich einstellen würde, wenn es nur zur Veröffentlichung von "Tubular Bells" käme. Als dieser Erfolg eintrat, wurde er mit der damit entstehenden Belastung nur sehr schwer fertig. Seelisch erschöpft von der Arbeit an seinem Erstling zog er sich in sein neues Heim zurück, das er in Herefordshire gefunden hatte. Hier begann er, sein nächstes Werk zu kreieren, das nach dem benachbarten "Hergest Ridge" benannt wurde.

Dieses im September 1974 veröffentlichte Album enthielt wie "Tubular Bells" eine einzige Komposition. Wieder hatte Mike fast alle Instrumente selbst gespielt. Der in den meisten Plattenbesprechungen erwähnte Ausschnitt war der, in dem 90 Gitarren übereinander kopiert wurden und den ein Kritiker ein elektronisches Gewitter nannte. Neben Mike waren auch Sally Oldfield, Clodagh Simonds (beide Gesang), June Whiting, Lindsay Cooper (beide Oboe) und Ted Hobart (Trompete) beteiligt. Für Mike war das Komponieren eine sich ständig fortsetzende Arbeit. Die in "Tubular Bells" verwendete sinfonische Form wurde in einer Vielzahl seiner späterer Werke fortgesetzt: "Hergest Ridge", "Ommadawn", "Incantations" und "Amarok".

"Hergest Ridge" schaffte sofort den Sprung in die Top 10 der UK-Charts. Virgin schaltete auch einen Werbespot im Fernsehen, dessen Wortwahl aber geändert werden mußte. In der ursprünglichen Fassung war davon die Rede, daß das Album erhältlich sei bei "Virgin und anderen unbefleckten Plattenläden". Wegen befürchteter Einwände seitens der katholischen Kirche wurde dies jedoch gestrichen.

Obwohl einige "Hergest Ridge" für schwächer hielten als "Tubular Bells", wurde es von einer überwältigenden Mehrheit der Kritiker geliebt. Einer nannte es "die dichteste Annäherung der Rockmusik an die klassische Sinfonie". Ein anderer schrieb von "einer Reihe emotionaler Ausbrüche aus schmeichelnder Ruhe".

Im Dezember 1974 wurden Orchesterfassungen von "Tubular Bells" und "Hergest Ridge" in der Royal Albert Hall in London aufgeführt. Das Konzert wurde von David Bedford arrangiert, der das Royal Philharmonic Orchestra mit Gitarrensoli von Steve Hillage dirigierte. Die Studioaufnahme von "Tubular Bells", bei der Mike die Gitarre selbst spielte, wurde Anfang 1975 veröffentlicht. Später wurden diese Arrangements in Glasgow und Newcastle aufgeführt. In Schottland spielte Steve Hillage an der Gitarre mit dem Scottish National Orchestra, in Newcastle wurde das Solo von Andy Summers, dem späteren Mitglied von The Police, übernommen.

Der gleiche Humor wie in der Ankündigung der Instrumente auf "Tubular Bells" zeigte sich auch auf der Single "Don Alfonso", die im Februar 1975 veröffentlicht wurde. Mit der Unterstützung von Chris Cutler (Schlagzeug), David Bedford (Gesang) und Kevin Ayers (Weinflaschen) erzählte Mike die Geschichte eines Stierkämpfers, der "für Oxo arbeitete".

In einer etwas ernsteren Stimmung wurde im September 1975 "Ommadawn" veröffentlicht. Dieses dritte großes Werk der sinfonischen Rockmusik benötigte neun Monate zu seiner Fertigstellung. Mike spielte fast zwanzig Instrumente, von Gitarren bis zum Konzertflügel und. Das Album beinhaltete Motive aus Afrika und Irland, wobei die in London beheimatete Percussion-Band Jabula und Uillean-Piper Paddy Moloney, der Chef der Chieftains, als Gäste dabei waren. Außerdem wirkten Terry und Sally Oldfield mit, Mitglieder der Hereford City Band und der Flötist Leslie Penning. Penning war auch auf Mikes Weihnachtssingle, dem traditionellen Weihnachtslied "In Dulci Jubilo", zu hören. Die Platte erreichte Platz vier der UK-Charts.

Obwohl die meisten Kritiker "Ommadawn" als einen weiteren Triumph feierten, war in einigen Rezensionen ein Unmut über Mikes fortgesetzten Erfolg zu vernehmen. Vielleicht durch einen gewissen Trend zurück zu den Wurzeln der Popmusik beeinflußt, nannte eine englische Musikzeitschrift "Ommadawn" "seicht und inkonsequent, ideale Hintergrundmusik für Dinnerparties".

Zwar hatte Mike seine Werke nicht wieder live aufgeführt, doch trug er zu den Alben mit ihm befreundeter Musiker bei. 1975 wirkte er als Gast auf Platten von David Bedford, Edgar Broughton und Tom Newman mit.

Die Auswirkungen von "Tubular Bells" reichten bis ins Jahr 1975. In diesem Jahr erhielt das Werk in New York den Grammy Award als beste Instrumentalkomposition, und die neue Popularität des namensgebenden Instrumentes führte dazu, daß der Hersteller Premier ein ganzes Sortiment davon herausbrachte.

In einem anderen Zusammenhang schrieb ein Leser an das Mayfair Magazine: "Den erregendsten Moment meines Sexuallebens hatte ich kürzlich, als wir beide den gemeinsamen Orgasmus zum Finale von Mike Oldfields 'Tubular Bells' erreichten."