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Aus dem Rampenlicht: 1976 - 1978

Im folgenden Jahr erschien das mittlerweile weltberühmte "Tubular Bells"-Thema als Discoversion von den Champs Boys, einer französischen Gruppe von Studiomusikern. Dies war eigentlich alles, was man 1976 von Mikes Musik hören konnte, auch wenn Freunde des Reitsports einen Auszug aus "Ommadawn" hören konnten, der die Fernsehübertragung der Horse of the year-Show einleitete.

Mike entzog sich für fast drei Jahre den Augen der Öffentlichkeit, von 1976 bis 1978. In einem Interview sagte er später, er habe psychische Probleme gehabt, aber er arbeitete außerdem im ländlichen Gloucestershire an der Musik, die später als "Incantations" veröffentlicht werden sollte.

Um ihn nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, brachte Virgin die Compilation "Boxed" heraus, eine vier LP´s umfassende Box, die neben den drei schon veröffentlichten Alben in neu abgemischten Quadrophonie-Versionen eine LP mit Singles, Gastauftritten bei anderen Musikern und Mikes unveröffentlichtem Lied "Speak (Tho´ You Only Say Farewell)" bestand.

Das einzige eigene neue Werk 1976 von Mike selbst eine Weihnachtssingle, "Portsmouth", ein weiteres traditionelles Arrangement. Dieses erreichte Platz drei, einen Rang höher als "In Dulci Jubilo".

Im Januar 1977 stand Mike zum ersten Mal nach zweieinhalb Jahren wieder auf der Bühne, nämlich für einen Gastauftritt als Gitarrist in einer Aufführung von David Bedfords Suite "The Odyssey".

Danach veröffentlichte er rasch hintereinander zwei Singles. Dies waren "The William Tell Overture" und "Cuckoo Song", ein weiteres traditionelles englisches Volkslied. Keines der beiden wurde ein Hit.

Wenn Mike selbst auch für den Rest des Jahres inaktiv war, wurden seine Werke doch weiterhin live aufgeführt. Im Mai wiederholte Steve Hillage seine Soloauftritte mit dem Scottish Symphonic Orchestra in "Tubular Bells" und "Hergest Ridge", während das, was als erste Liveaufführung von "Ommadawn" angekündigt wurde, am Trinity College in Dublin vom Liffey Orchestra gespielt wurde.

Das vierte Album, "Incantations", erschien schließlich Ende 1978. In den Jahren seit "Ommadawn" wurde die britische Popwelt auf den Kopf gestellt durch das Auftauchen des Punk. Von der Außenwelt in seiner ländlichen Abgeschiedenheit praktisch abgeschnitten, zogen die Auswirkungen des Punk an Mike unbemerkt vorüber. Als er 1977 von einem Interviewer nach seiner Meinung zu diesem neuen Trend gefragt wurde, antwortete er: "Punkrock? Ich habe noch nie davon gehört." Die veränderte Atmosphäre führte dazu, daß "Incantations" weniger erfolgreich als seine Vorgänger war, obschon es die britischen Top 20 erreichte.

Unveröffentlichtes Material hieraus und Auszüge aus den Orchesterfassungen von "Tubular Bells" und "Hergest Ridge" wurden für den Soundtrack von "The Space Movie" verwendet, einer Fernsehdokumentation von Tony Palmer, mit der der zehnte Jahrestag der ersten Mondlandung durch die amerikanischen Astronauten gefeiert wurde.

Während dieser Zeit gab Mike zahlreiche Interviews, um für sein Album "Incantations" zu werben und über sein verändertes Äußeres zu sprechen. Dieses war auf seine Teilnahme an einer Therapie zur positiven Persönlichkeitsentwicklung zurückzuführen. Durch diese Therapie, so glaubte er, habe er eine bessere Einstellung zu sich selbst finden können. In einer Presseveröffentlichung aus dieser Zeit wurde er zitiert: "Ich erlebte etwas, was ich als Erlebnis der Wiedergeburt beschreiben würde, und das mir viele Einblicke in mich selbst und die menschliche Natur gab. Ich fing neu an."

Im März 1979 veröffentlichte er die Single "Guilty", deren Stil an die damals aktuelle Rockmusik angelehnt war. Einige Kritiker meinten, ein gewisses Discofeeling in diesem Stück, das er mit einigen Studiomusikern in New York aufgenommen hatte, feststellen zu können.

Noch im gleichen Jahr kam "Platinum" heraus, sein fünftes Album. Diese brach mit der Tradition der vorangegangenen Alben, enthielt es doch eine Ansammlung verschiedener Stücke. Das Hauptstück, "Platinum", war in vier Kapitel unterteilt, und es waren kurze Songs und Instrumentalstücke eingestreut. Darunter waren "Punkadiddle", eine milde Satire auf die Punkbewegung, und "Sally", ein Lied für die Mutter seiner kleinen Tochter Molly. Dieser Titel wurde jedoch, angeblich, weil er Richard Branson nicht gefiel, in der zweiten Auflage durch "Into Wonderland" ersetzt. Musikalische Gäste auf waren unter anderem die Schlagzeuger Pierre Moerlen und Morris Pert sowie Sängerin Wendy Roberts.

Das Jahrzehnt endete für Mike mit der Veröffentlichung der vierten Weihnachtssingle in Folge. Ebenso wie "Portsmouth" war auch "Blue Peter" ein Seemannstanz und bereits als Titelmelodie der gleichnamigen englischen Kindersendung bekannt. Trotzdem erreichte diese Single lediglich Platz 19 in den UK-Charts. Teile des Verkaufserlöses wurden der Kambodscha-Hilfe zur Verfügung gestellt.