www.tubular-world.com

   

 

Übersicht

Sie befinden sich hier: Startseite » Biographie » Auf Tournee: 1979 - 1984

StartseiteSuchenSitemapKontaktUpdatesImpressum

Auf Tournee: 1979 - 1984

Obgleich er als Meister des Aufnahmestudios gilt, spielen Liveauftritte eine wichtige Rolle in Mikes künstlerischem Leben. Nachdem er seine Therapie Ende der Siebziger erfolgreich abgeschlossen hatte, fühlte er sich bereit, um mit einer großen Band auf Tournee zu gehen. Daraus resultierte dann das Livealbum "Exposed".

Die erste Mike Oldfield-Tour fand 1979 statt. Sie begann etwa sechs Jahre nach der Veröffentlichung von "Tubular Bells". Die aufwendige Show wurde mit Chor und Orchester, rund 50 Personen, aufgeführt. Es gab eine Mannschaft von 25 Roadies und Technikern, und für den Transport der Ausrüstung wurden drei Sattelschlepper benötigt. Unter den Mitwirkenden waren Maddy Prior, die den Ausschnitt mit Henry Longfellows Gedicht Hiawatha aus "Incantations" sang, die Gitarristen Phil Beer und Nico Ramsden sowie Pierre Moerlen mit seinem Bruder Benoit am Schlagzeug. Darüber hinaus enthielt die Gruppe zwei traditionelle Folkmusiker, Robin Morton und Ringo McDonough, sowie Mitglieder des Queens College-Mädchenchores. Für eine optische Untermalung sorgten Filme, die von Ian Emes speziell dafür gedreht worden waren.

Die Tour startete in Madrid und Barcelona, wo Mike und die Musiker "Tubular Bells" und "Incantations" vor einem, so ein Journalist, "Publikum von 30000 tobenden jungen Spaniern" aufführten. Es fanden elf weitere Konzerte in Deutschland, Belgien, Frankreich, den Niederlanden, Dänemark und England statt, die sowohl vom Publikum als auch den Kritikern als voller Erfolg gewertet wurden. Im Juli brachte Virgin "Exposed" heraus, eine Live-Doppelalbum, das während der Tournee aufgenommen wurde. Später offenbarte Mike, daß die Tour selbst ein finanzielles Desaster gewesen sei.

Im Frühjahr 1980 bildete Mike eine elfköpfige Gruppe für eine Europatournee mit vierzig Auftritten, in denen Material aus "Platinum" vorgestellt wurde. Mitglieder dieser Gruppe waren unter anderem der Saxophonist Pete Bimbo Acock, Pierre und Benoit Moerlen und die Sängerin Wendy Roberts. Erneut stellte Ian Emes Filmsequenzen für die Hintergrundprojektion zur Verfügung, unter anderem eine Meereslandschaft, in der ein Segelflugzeug schwebte. Die Liveshows erreichten ihren Höhepunkt beim Knebworth Festival im Juni. Nachdem er mit einem Helikopter eingeflogen wurde, war er nach den Beach Boys und Lindisfarne an der Reihe. Auch Santana trat auf. Mikes exzellente musikalische Fähigkeiten fanden auch Anerkennung bei einem Kritiker des Record Mirror, der schrieb: "Der Klang war kristallklar, stellte die neuen Farben und Schattierungen seiner Arrangements heraus."

Als Folge der neuen Betonung der leichteren Aspekte seines Werkes veröffentlichte er zwei Coverversionen als Singles. Die erste war "Arrival", ein Gruß an Abba, die den progressiven Rock aus ihrem harten Kern in die Popszene geführt hatten. Es folgte ein Tribut von ganzem Herzen. "Wonderful Land" war die Neuinterpretation eines Stückes der Shadows aus dem Jahre 1962, deren Chef Hank Marvin alle jungen Gitarristen aus Mikes Generation inspirierte.

Es grenzt an Ironie, daß viele Leute, die mit Mikes Gesamtwerk nicht vertraut sind, ihn ihm in erster Linie einen Keyboarder sehen. Sein Hauptinstrument ist jedoch die Gitarre. Sein Stil erinnert stark an den von John Renbourn und Bert Jansch, zwei Akustik-Instrumentalisten, die einen frühen Einfluß auf ihn ausgeübt hatten. Viele Stunden verbrachte er damit, ihre Musik zu analysieren und zu erlernen, und eignete sich dabei eine enorme technische Fertigkeit an. Als E-Gitarrist braucht Mike Vergleiche mit den besten nicht zu scheuen.

"Arrival" und "Wonderful Land" erschienen beide auf "QE2", einer LP im Stil von "Platinum". Dieses Mal erschien das Hauptstück von der ersten Seite des Albums, "Taurus 1", in einem Finale auf der zweiten Seite wieder. "QE2" wurde zusammen mit dem Toningenieur David Hentschel co-produziert, der zuvor für Genesis gearbeitet hatte. Hentschel sagte in einem Interview: "Ich habe Mikes Musik immer geliebt. Wir haben uns gegenseitig mit unseren Ideen ergänzt. Es hat riesigen Spaß gemacht, und ich glaube, das muß es auch, wenn die Arbeit gelingen soll."

Auf "QE2" wirkten Schlagzeuger Phil Collins, Keyboarder Tim Cross und Sängerin Maggie Reilly mit. Die frühere Vokalistin der schottischen Soul-/Rockband Cado Belle sollte in den nächsten fünf Jahre zu einem bedeutenden Mitglied in Oldfields Team werden.

Die Reaktionen auf "QE2" waren gemischt, und selbst Mikes stärkste Fans in der Musikpresse glaubten, er wiederhole sich, anstatt neue Ideen zu präsentieren. Mikes Fans unter den Lesern schlugen zurück. Ein Leser schrieb an den Record Mirror, "die Kritiker werden auch in 50 Jahren keine Ahnung von seiner wahren Größe haben, wenn seine Musik weiterhin von den Menschen gehört und geliebt wird."

Tourneen wurden nun zu einem jährlichen Ereignis. Die Tour 1981 durch Großbritannien und Europa fand mit einer kleineren Band statt, die aus Maggie Reilly, Keyboarder Tim Cross, Bassist Rick Fenn sowie den Schlagzeugern Morris Pert und Mike Frye bestand.

Während seine letzten Alben nicht mehr die Spitzenpositionen der Charts erreichten, setzte sich der phänomenale Erfolg von "Tubular Bells" fort. Im Juli 1981 gab Virgin bekannt, daß zehn Millionen Exemplare verkauft worden seien. Im gleichen Monat gab Mike ein kostenloses Konzert als Teil der Feierlichkeiten zur Hochzeit von Prinz Charles und Lady Diana Spencer. In Anerkennung dessen und seiner "Leistungen für den Export" erhielt er später die Ehrenbürgerschaft der Stadt London. Zuvor schon bildete er zusammen mit Persönlichkeiten wie Billy Idol, Phil Lynott und Noddy Holder die Jury eines nationalen Talentwettbewerbes für Popbands.

Zum Abschluß dieses Jahres schien es, Mike sei ins Establishment aufgestiegen, er wurde ins Who´s Who aufgenommen, dem exklusiven Nachschlagewerk über die Top-Persönlichkeiten Großbritanniens: als einziger Popmusiker neben Paul McCartney. Auf die Frage, warum Mike für dieses Buch ausgewählt worden sei, antwortete eine Mitarbeiterin, sie sei sich nicht sicher gewesen, "aber er ist jemand, von dem jeder schon gehört hat, oder nicht?".

In seinem Who´s Who-Eintrag nennt er als seine Leidenschaft das Fliegen (Flugzeuge und Helikopter). 1979 hatte er seinen Pilotenschein gemacht, und ein Zwischenfall ein Jahr später inspirierte ihn zum Titelsong des 1982 erschienenen Albums "Five Miles Out". Im August 1980 steuerte Mike eine zweimotorige Piper Navajo über die Pyrenäen in Spanien, als die Maschine in ein Gewitter geriet. "Wir wurden wie ein Pfannkuchen hochgeschleudert, an den Propellern bildete sich Eis, der Regen schlug gegen die Scheibe, und alle haben geschrien!", sagte er in einem Interview. Das Ereignis wurde auch in einem Gemälde eines bekannten Malers aus dem Bereich der Luftfahrt festgehalten, den Mike hiermit beauftragt hatte.

Wie "Platinum" und "QE2" kombinierte auch "Five Miles Out" einen langen Titel mit einer Reihe von kürzeren Stücken. Das lange Stück war "Taurus II", in dem Paddy Moloney als Gast mitwirkte. Unter den Liedern war das von Maggie Reilly gesungene "Family Man". Die Single erreichte jedoch nur die unteren Ränge der Charts. Im folgenden Jahr behauptete sich eine Version von Hall & Oates unter den US-Top 10.

"Family Man" war ein frühes Beispiel für eine Art Musik, die für Mike eine neue Herausforderung darstellte. "Moonlight Shadow", "Shadow On The Wall", "Five Miles Out" und "Islands" waren in erster Linie Popsongs, aber sie besaßen eine Dynamik und Abwechslung.

Der Großteil von "Five Miles Out" wurde in einem in Mikes Heim eingerichteten Studio in Buckinghamshire aufgenommen. Das Haus wurde aufgrund seiner Nähe zu London und des nahen Flugplatzes gewählt, von dem aus Mike fliegen konnte.

"Five Miles Out" war Mikes größter Hit in Großbritannien seit "Ommadawn", und dies trotz negativer Kritiken in der Musikpresse. Die Single "Mistake" wurde von einem der Schreiber als "Stadionrock der Mittsiebziger" abqualifiziert, während ein anderer Kritiker darüber klagte, daß "Mike ohne Sinn und Verstand herumspielt". Aber Mike konterte. Vom New Musical Express gefragt, was er am meisten haßt, antwortete er: "Vermutlich hasse ich euer altersschwaches Blatt mehr als alles andere auf der Welt." Außerdem erzählte er, daß sein Lieblingsfilm "2001 – Odyssee im Weltraum" sei und seine Vorbilder Sibelius und Captain Kirk (aus der Serie "Raumschiff Enterprise").

1982 unternahm Mike seine bislang größte Tournee, in der er sowohl in Europa als auch in Nordamerika, Japan und Australien auftrat. Für diese Welttournee stellte er eine neue Gruppe zusammen, unter anderem mit Maggie Reilly, Pierre Moerlen, Morris Pert, Tim Cross und Rick Fenn. Ein Londoner Konzert wurde im Daily Express von Ray Coleman wohlwollend kommentiert, der das Publikum als "junge, verheiratete Pärchen, die bequem sitzen und einen Abend lang Musik genießen möchten."

Im Mai 1983 war das zehnjährige Jubiläum von "Tubular Bells". Mike veröffentlichte sein achtes Album, "Crises", und gab im Juli ein großes Konzert in der Wembley Arena in London. Bei diesem Auftritt und der vorangegangenen Tour wurde er unter anderem vom Schlagzeuger Simon Phillips und von Phil Spalding, dem früheren Bassisten von Toyah, unterstützt.

"Crises" war die erste von Simon Phillips co-produzierte Veröffentlichung. Es sangen Jon Anderson von Yes, Roger Chapman auf "Shadow On The Wall" und Maggie Reilly. Ein herausragender Track war "Moonlight Shadow". Gesungen von Maggie Reilly, wurde er oft fälschlicherweise als Hommage an John Lennon aufgefaßt und avancierte in Großbritannien zu Mikes erfolgreichster Single seit "Portsmouth" sieben Jahre zuvor sowie zu einem Nr. 1-Hit in vielen Ländern Europas.

1984 war eines der arbeitsreichsten Jahre in Mikes Karriere. Es begann mit der Nachricht einer Spende über £ 300 an die Stadt Presteigne nahe der walisischen Grenze, unweit seines früheren Zuhauses, wo er "Hergest Ridge" geschrieben hatte. Dieses Geld wurde benötigt, um jede Nacht nach dem letzten Willen eines 1565 verstorbenen Wollhändlers die Kirchenglocke läuten zu lassen.

Mikes berufliche Aktivitäten beinhalteten 1984 die Veröffentlichung eines neuen Albums, eine Europatournee mit 50 Auftritten und die Arbeit an seinem ersten kompletten Filmsoundtrack. Die Musik war für "The Killing Fields", Roland Joffes preisgekrönten Film über den Bürgerkrieg in Kambodscha.

Er empfand es als schwierig, für einen derart "herzzerreißenden, emotionsgeladenen Film" zu komponieren. Um die Musik zu komponieren, verband er das Videogerät mit seinem Fairlight Computer. Die Musik basierte zu einem großen Teil auf volkstümlichen kambodschanischen Klängen. Der Ohrwurm "Etude", eine Komposition von Francisco Tarrega, erschien im November als Single.

Das Album "Discovery" aus dem Jahre 1984 war das erste, das Mike außerhalb Englands produzierte. Er richtete sich in einem Haus ein Studio ein, das in 2000 Metern Höhe an einem Schweizer Berghang mit Blick über den Genfer See lag, wo er mit seinem Co-Produzenten Simon Phillips an einer Auswahl neuer Songs, darunter einem Instrumentalstück namens "The Lake", arbeitete. Diesmal teilten sich Maggie Reilly und Neuling Barry Palmer den Gesang. Unter diesen Songs war "To France", inspiriert durch die Lebensgeschichte Mary Queen of Scots. Während diesem Lied in England nur mäßiger Erfolg beschieden war, wurde es im übrigen Europa zu einem großen Hit.

Mikes Fähigkeiten als Rockgitarrist brachten ihm neue Anhänger aus den Reihen der Heavy Metal-Szene ein. Im Metal-Magazin Kerrang! zitierte der altgediente Journalist Chris Welch begeistert den antiken griechischen Dichter Thucydides, um "Discovery" zu loben: "Wir, die wir das Schöne und dennoch Einfache unseres Geschmacks lieben, pflegen unseren Geist ohne Verlust an Männlichkeit."

Musik aus "Discovery" war im Programm der 1984 absolvierten Tournee, auf der ihn Maggie Reilly, Barry Palmer, Simon Phillips, Phil Spalding und Harald Zuschrader unterstützten, stark vertreten.