Wie schon 1973, so stand Mike auch bei den Aufnahmen zu
"Tubular Bells II" Tom Newman als Co-Produzent hilfreich zur Seite. Nachdem
bereits die ersten Demos erstellt worden waren, gesellte sich später
der Soundfetischist Trevor Horn hinzu, der bereits erfolgreich u. a. mit
Yes, Frankie Goes To Hollywood, Seal und Art Of Noise gearbeitet hatte. Das Album wurde Ende August 1992 von WEA veröffentlicht. Erneut
hatte Mike dieses fast im Alleingang eingespielt, lediglich unterstützt
von drei Sängerinnen, dem Schlagzeuger John Robinson und – nicht zu
vergessen – zwei Dudelsacktruppen. Obwohl
"Tubular Bells II" eine
Einteilung in 14 Titel erfuhr, handelte es sich ebenso wie beim Original
im Prinzip um zwei Stücke. Mike greift den Faden des Vorgängers immer
wieder auf, dem Zuhörer sind Melodien, Arrangements und Strukturen
seltsam vertraut. Der naheliegenden Kritik eines Plagiats greift Mike
vor: "Es ist sinnlos, eine Fortsetzung zu schreiben, wenn sie sich
vom Original völlig unterscheidet."
Die Reaktionen seitens der Musikpresse waren gemischt. Einige Stimmen
sprachen von "der Zerstörung einer Legende" und einem
"überflüssigen Werk ohne Daseinsberechtigung", andere
Kritiker sehen "eine faszinierend harmonische Synthese aus Kitsch
und Kunst".
Vor der eindrucksvollen Kulisse des Edinburgh Castles wurde
"Tubular Bells II" live mit großer Band aufgeführt. Dokumentiert wurde
dieses Ereignis auch auf
Video.
Die im September 1992 veröffentlichte Single
"Sentinel"
erreichte die Top 10 in Großbritannien und gar die Spitzenposition in
Spanien. Das Album wurde zum erfolgreichsten seit
"Discovery" acht Jahre
zuvor.
Im Frühjahr des folgenden Jahres begann Mike Oldfield seine
20th
Anniversary Tour mit einem Konzert in New York, dem weitere Termine
in Deutschland, der Schweiz, Frankreich, den Niederlanden und Belgien
sowie vier Auftritte in der Londoner Royal Albert Hall folgten.
Außerdem wurde mit
"The Bell" eine weitere Single ausgekoppelt, auf der u. a. der
Komiker Otto Waalkes als "Master Of Ceremonies" mitwirkte.
Die Tournee wurde im Herbst mit Auftritten in Spanien, Frankreich und
Portugal sowie einem vor fast leeren Rängen stattfindenden Konzert in
Los Angeles fortgesetzt.
Zur gleichen Zeit stellte Virgin Records eine Retrospektive auf Mike
Oldfields bisheriges Schaffen zusammen. Die vier CDs umfassende Box
"Elements"
enthielt neben vielen bekannten Titeln auch einige bisher nur auf
Single-B-Seiten erhältliche Stücke und mit "Vivaldi Concerto in
C" auch eine bis dahin unveröffentlichte Aufnahme.
Zu seinem im November 1994 veröffentlichten Album
"The Songs Of
Distant Earth" wurde Mike durch Arthur C. Clarkes
gleichnamigen Roman inspiriert, der von interstellaren Reisen handelt.
Mike sagte hierzu: "Ich mußte meine bisherige Art, Musik zu
machen, hinter mir lassen – dieser ganze Folk-Kram oder die keltischen
Sachen. Hier erreiche ich ganz neue Ebenen. Ich wollte eine Platte
machen, die allen Generationen gefällt, bis hin zu den Kids den
Clubs."
Nachdem die Idee für dieses Album ausgereift war, nahm Mike mit dem
in Sri Lanka lebenden Autor Kontakt auf. Clarke war von dem Konzept
begeistert und schrieb: "Willkommen im Weltraum, Mike. Es ist noch
genug Platz da oben."
"The Songs Of Distant Earth" war zudem die erste Audio-CD, die einen
CD-ROM-Track enthielt, der jedoch ausschließlich für
Macintosh-Besitzer nutzbar war.
Abgesehen von der Veröffentlichung von
"Let There Be
Light" als zweiter Single nach
"Hibernaculum"
aus dem Album ging das Jahr 1995 ereignislos vorüber.
1996 wandte sich Mike Oldfield wieder der keltischen Musik zu. Das im
August erschienene Album
"Voyager" beinhaltete neben vier Eigenkompositionen auch eine Reihe von
Traditionals. Mike erzählte: "Immerhin bin ich halb-irisch und ich
glaube, das hat meine Musik von jeher beeinflußt. Ich wollte mit diesem
Album den Geist einer mythologischen Welt einfangen und einen Bezug zu
den alten Legenden der Kelten herstellen."
Der allgemeine Tenor der Fachpresse war im Falle von
"Voyager" allerdings negativ. Die Kritiker sprachen von einer Platte, die
"langsam, aber sicher immer unerträglicher wird" oder einem
Album, daß "wohl nur die wenigsten brauchen, am allerwenigsten
Menschen, die auch ohne Musik einschlafen können." |