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Der Beginn der Ära WEA: 1992 - 1996

Wie schon 1973, so stand Mike auch bei den Aufnahmen zu "Tubular Bells II" Tom Newman als Co-Produzent hilfreich zur Seite. Nachdem bereits die ersten Demos erstellt worden waren, gesellte sich später der Soundfetischist Trevor Horn hinzu, der bereits erfolgreich u. a. mit Yes, Frankie Goes To Hollywood, Seal und Art Of Noise gearbeitet hatte.

Das Album wurde Ende August 1992 von WEA veröffentlicht. Erneut hatte Mike dieses fast im Alleingang eingespielt, lediglich unterstützt von drei Sängerinnen, dem Schlagzeuger John Robinson und – nicht zu vergessen – zwei Dudelsacktruppen. Obwohl "Tubular Bells II" eine Einteilung in 14 Titel erfuhr, handelte es sich ebenso wie beim Original im Prinzip um zwei Stücke. Mike greift den Faden des Vorgängers immer wieder auf, dem Zuhörer sind Melodien, Arrangements und Strukturen seltsam vertraut. Der naheliegenden Kritik eines Plagiats greift Mike vor: "Es ist sinnlos, eine Fortsetzung zu schreiben, wenn sie sich vom Original völlig unterscheidet."

Die Reaktionen seitens der Musikpresse waren gemischt. Einige Stimmen sprachen von "der Zerstörung einer Legende" und einem "überflüssigen Werk ohne Daseinsberechtigung", andere Kritiker sehen "eine faszinierend harmonische Synthese aus Kitsch und Kunst".

Vor der eindrucksvollen Kulisse des Edinburgh Castles wurde "Tubular Bells II" live mit großer Band aufgeführt. Dokumentiert wurde dieses Ereignis auch auf Video.

Die im September 1992 veröffentlichte Single "Sentinel" erreichte die Top 10 in Großbritannien und gar die Spitzenposition in Spanien. Das Album wurde zum erfolgreichsten seit "Discovery" acht Jahre zuvor.

Im Frühjahr des folgenden Jahres begann Mike Oldfield seine 20th Anniversary Tour mit einem Konzert in New York, dem weitere Termine in Deutschland, der Schweiz, Frankreich, den Niederlanden und Belgien sowie vier Auftritte in der Londoner Royal Albert Hall folgten.

Außerdem wurde mit "The Bell" eine weitere Single ausgekoppelt, auf der u. a. der Komiker Otto Waalkes als "Master Of Ceremonies" mitwirkte.

Die Tournee wurde im Herbst mit Auftritten in Spanien, Frankreich und Portugal sowie einem vor fast leeren Rängen stattfindenden Konzert in Los Angeles fortgesetzt.

Zur gleichen Zeit stellte Virgin Records eine Retrospektive auf Mike Oldfields bisheriges Schaffen zusammen. Die vier CDs umfassende Box "Elements" enthielt neben vielen bekannten Titeln auch einige bisher nur auf Single-B-Seiten erhältliche Stücke und mit "Vivaldi Concerto in C" auch eine bis dahin unveröffentlichte Aufnahme.

Zu seinem im November 1994 veröffentlichten Album "The Songs Of Distant Earth" wurde Mike durch Arthur C. Clarkes gleichnamigen Roman inspiriert, der von interstellaren Reisen handelt. Mike sagte hierzu: "Ich mußte meine bisherige Art, Musik zu machen, hinter mir lassen – dieser ganze Folk-Kram oder die keltischen Sachen. Hier erreiche ich ganz neue Ebenen. Ich wollte eine Platte machen, die allen Generationen gefällt, bis hin zu den Kids den Clubs."

Nachdem die Idee für dieses Album ausgereift war, nahm Mike mit dem in Sri Lanka lebenden Autor Kontakt auf. Clarke war von dem Konzept begeistert und schrieb: "Willkommen im Weltraum, Mike. Es ist noch genug Platz da oben."

"The Songs Of Distant Earth" war zudem die erste Audio-CD, die einen CD-ROM-Track enthielt, der jedoch ausschließlich für Macintosh-Besitzer nutzbar war.

Abgesehen von der Veröffentlichung von "Let There Be Light" als zweiter Single nach "Hibernaculum" aus dem Album ging das Jahr 1995 ereignislos vorüber.

1996 wandte sich Mike Oldfield wieder der keltischen Musik zu. Das im August erschienene Album "Voyager" beinhaltete neben vier Eigenkompositionen auch eine Reihe von Traditionals. Mike erzählte: "Immerhin bin ich halb-irisch und ich glaube, das hat meine Musik von jeher beeinflußt. Ich wollte mit diesem Album den Geist einer mythologischen Welt einfangen und einen Bezug zu den alten Legenden der Kelten herstellen."

Der allgemeine Tenor der Fachpresse war im Falle von "Voyager" allerdings negativ. Die Kritiker sprachen von einer Platte, die "langsam, aber sicher immer unerträglicher wird" oder einem Album, daß "wohl nur die wenigsten brauchen, am allerwenigsten Menschen, die auch ohne Musik einschlafen können."