Mike Oldfield wandte sich nun wieder einem
Projekt zu, das er bereits seit Anfang der Neunziger verfolgte: Der
Schaffung virtueller Welten.
Die Grundidee zu dem, was 2002 als
"Music
VR" veröffentlicht wurde, war bereits 10 Jahre vorher
entstanden. Damals waren noch Hochleistungsrechner erforderlich, um auch
nur eine Basisversion dessen, was Mike vorschwebte, zum Laufen zu
bringen. Nachdem jedoch die Computer-Technologie in den vergangenen
Jahren rasante Fortschritte machte und die heutigen PC in ihrer
Leistungsfähigkeit den damaligen Silicon Graphics-Rechner weit hinter
sich lassen, entschloß sich Mike, "Music VR" für den PC
umzusetzen.
Nach verschiedenen Titeländerungen (von "Sonic Reality"
über "Sonic VR" zu "Music VR"), verschobenen
Veröffentlichungsterminen und Demo-Versionen sowie Alkoholeskapaden
wurde endlich im Mai 2002 nach über zweijähriger Arbeit die erste "Music
VR"-Episode names "Tres Lunas" veröffentlicht. Realisiert wurde dieses gewaltfreie Spiel
allein von Mike, einem Programmierer und einem Grafiker.
Gleichzeitig spielte Mike auch ein neues
Album mit dem
selben Titel ein, in dem eine Reihe der im Spiel auftauchenden
Melodien im Chill out-Stil verarbeitet wurden.
Abgesehen von Spanien, wo sowohl das Album als auch die dort
ausgekoppelte Single
"To
Be Free" die Top 10 der Hitparaden erreichten, war "Tres
Lunas" ein nur mäßiger Erfolg beschieden und auch die Kritiker
zeigten sich größtenteils wenig angetan.
Einzig in Spanien erschien außerdem
"Thou
Art In Heaven" als zweite Single-Auskopplung.
Unmittelbar im Anschluß an die Veröffentlichung kehrte Mike erneut
zu den Anfängen seiner Karriere zurück. Zum 30jährigen Jubiläum von
"Tubular Bells" erschien eine komplette
Neueinspielung
des Erstlings, die sich sehr streng am Original orientierte. Dieses
Werk hatte Mike Oldfield erneut im Alleingang eingespielt, lediglich
unterstützt von seiner Schwester Sally und John Cleese, der den Part
des verstorbenen Vivian Stanshall als "Master Of Ceremonies"
übernahm.
Die äußerst dürftige Promotionarbeit in Verbindung mit
der Inflation an Alben mit dem Bells-Logo führte dazu, daß "Tubular
Bells 2003" sich noch schlechter verkaufte, als ein Jahr zuvor "Tres
Lunas".
Obwohl bereits die erste "Music VR"-Episode nur
etwa 3.000 mal registriert wurde und damit zu einem riesigen
Zuschußgeschäft avancierte, arbeitete Mike an einem zweitem Teil mit
dem Titel "Maestro". Dieses Spiel erschien im März 2004. Die
darin enthaltene Musik beschränkt sich jedoch in der Hauptsache auf
Ausschnitte aus "Tubular Bells 2003".
Im Februar 2004 wurde
- nach unzähligen Verzögerungen - die bereits für Juli 2003
angekündigte DVD-Audio von "Tubular Bells 2003"
veröffentlicht. Sie enthält neben dem kompletten Album im 5.1-Mix u. a. auch fünf
Auszüge aus den bereits 1971 erstellten "Tubular Bells"-Demos.
Für das nächste Album verabschiedete sich Oldfield von
seiner bisherigen Produktionsweise. Er ließ fast sein
komplettes Tonstudio ausräumen, um hauptsächlich am PC
zu arbeiten. Selbst den Gesang erzeugte er nun mit einer
entsprechenden Software. Das Resultat dieser Arbeit
wurde im September 2005 in Form des Doppel-Albums
"Light +
Shade" auf seinem neuen Label Mercury Records
veröffentlicht.
Obwohl sich Mike Oldfield zufrieden
mit den Absatzzahlen zeigte, kann dies nicht darüber
hinwegtäuschen, daß "Light + Shade" zu einem seiner
verkaufsschwächsten Werke avancierte.