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Wie eine Fahrt durchs Disneyland

Leichtfüßig, aber ohne viel Bewegung betritt Mike Oldfield die Bühne auf dem Museumsplatz der Kunst- und Ausstellungshalle. Ein ernster Blick in die dichtgedrängte Menge unter dem Zeltdach, die ihn mit Applaus begrüßt. Außer dem Griff zur Gitarre keine Verbeugung oder andere unnötige Freundschaftsgesten. Introvertiert und zurückhaltend, fast schüchtern - so kennt man den 46jährigen bereits aus den 70ern und so ist auch seine (Instrumental-)Musik in den grundlegenden Zügen geblieben.

Die große Show war nie sein Ding. Und auch jetzt, bei seinem Bonner Auftritt, zieht er das Publikum mit seinen Instrumentalhits aus den Erfolgsalben "Tubular Bells I und II", "Ommadawn" und dem aktuellen "Guitars" unwillkürlich in eine Art Studio-Atmosphäre. Der experimentellen Rockszene ist Oldfield mit seinen Klangstaffelungen und sphärischen Harmonien treu geblieben. Von Computereinspielungen und künstlichen Klängen hat er sich zurückgezogen. In seinem neuen Album, aus dem er mit "Cochise" eine schnelle, rhythmusgetriebene Gitarrenmeditation vorstellte, ist Handarbeit wieder stärker angesagt. Mit dem Einbeziehen von Technostilmitteln, spanischer, irischer und afrikanischer Folklore in Rhythmus und Melodik und auch Anklängen an Minimal Music behauptet er seinen Status als Grenzgänger. "Ich möchte den Menschen etwas geben, das einer Fahrt durchs Disneyland oder einem Steven-Spielberg-Film vergleichbar ist", sagt Oldfield, der sich mit dem Soundtrack zu "The Killing Fields" und "Der Exorzist" als Filmmusiker profilierte. Doch ganz so bunt und populär kann seine Musik eigentlich gar nicht sein. Er zeichnet impressionistisch, in Pastelltönen. Und die schätzen seine Fans, die die Instrumentals bereits nach wenigen Takten erkennen, an ihm.

Seiner fünfköpfigen Band hätte man indes - mit einer Ausnahme - etwas mehr musikalisches Engagement gewünscht. Das konzentrierte sich somit auf Oldfield selbst und die hervorragende Sängerin Pepsi Demacque (früher bei Wham), die auch so kommerziell-populäre Oldfield-Songs aus den 80ern wie "Shadow On The Wall" (vormals mit Sänger Roger Chapman) oder "Moonlight Shadow" (mit Maggie Reilly) individuell zu prägen wußte. Die Ohrenstöpsel, die viele vorsorglich an der Abendkasse erworben hatten, blieben wohl größtenteils in der Tasche stecken. Ruhig, atmosphärisch und mit viel Kreativität an seinen Gitarren startet Oldfield ins nächste Jahrtausend. Seine Europatournee mit 32 Konzerten endet am 31. Juli beim La Coruna Festival in Spanien.

(Bonner Rundschau, 1999)