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Klangwolke zog bis Beuel

Eine anspruchsvolle "Reise durch Gut und Böse" wurde den Fans von Mike Oldfield an der Bonner Museumsmeile versprochen – ja "ein Weg zu sich selbst". Die üppig bestückte Bühne mit Keyboards, Celestas und einem Drumset vom Feinsten verriet allerdings schon im Vorfeld, daß der Meister des Multitrack-Sounds kein introvertiertes Geklingel abliefern wollte.

Mitnichten, denn als beispielsweise Hits wie "Moonlight Shadow" oder "Shadow On The Wall" angestimmt wurden (auch ohne Roger "Chappo" Chapman ein Ohrwurm der Extraklasse), schwappte eine Soundwelle über den Rhein. Und die ließ am Montag abend glaubhaft auch Beueler Bürger auf ihren Balkonen des Vergnügens teilhaftig werden, das gut 4000 zahlende Fans unter dem Zeltdach zwischen den Museen an der B 9 zeitweilig in Verzückung brachte. Der innovative Tüftler und bienenfleißige Songschreiber Mike Oldfield (mehr als 20 Alben in 30 Jahren!) hatte früher nur ungern Live-Konzerte gegeben, weil er befürchtete, daß seine komplizierten "Klangwolken" nicht adäquat einem Live-Publikum vermittelt werden könnten. Sicher geht einiges von den unvergleichlichen Sound-Finessen von "Tubular Bells", bei dem Mike Oldfield seinerzeit 28 verschiedene Instrumente einspielte und dann "übereinanderschichtete", auf der Bühne verloren.

Auf Synthetik und Stargehabe verzichtet

Doch was soll´s – eine gute Begleitband und der Tausendsassa an diversen Gitarren vermitteln auch so ein überzeugendes Klangerlebnis. Das eindringliche und immer wiederkehrende Motiv aus "Tubular Bells I", dem Album, mit dem der Brite 1973 Musik- und Kinogeschichte schrieb (Soundtrack zum "Exorzisten"), bildete das Gerüst das Bonner Konzertes, bei dem Mike Oldfield ansonsten seine neueren Produkte "Tubular Bells III" und "Guitars" vorstellte. "Guitars" ist in gewissem Maße "einfacher", wie ihr Schöpfer meint, doch was ist schon "einfach" bei diesem Perfektionisten. Da sind Einflüsse von Folk und Rock, arabische Elemente und auch Flamenco herauszuhören. Oldfield begleitet sich selbst auf der Gitarre und verzichtet auf einen allzu breiten synthetischen Klang, wobei bei seinem Ausflug in den andalusischen Flamenco anzumerken wäre, daß da auch ein Mike Oldfield an seine Grenzen stößt. Altmeister Manitas de Plata hat vor Jahren an gleicher Stätte andere "Saiten" aufgezogen.

Aufs Ganze gesehen sind das allerdings nur Petitessen, der 46jährige Mike Oldfield ist nach wie vor ein exzellenter und innovativer Musiker, der mehr durch seine Werke denn durch marktschreierisches Stargehabe wirken will.

(Bonner Generalanzeiger, 1999)