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Berliner leuchten jetzt politisch korrekt

Gert Hof hatte rund um die Siegessäule in Berlin mit Hilfe weitreichender Scheinwerfer und 250000 Taschenlampen die Silvester-Nacht illuminieren wollen. Nun kam ihm ein Literaturnobelpreisträger, die deutsche Vergangenheit und ein Bausenator in die Quere.

Das sind die Fakten: Arglos hatte Lichtspezialist Hof für die Silvester-Nacht ein "Art-in-Heaven''-Konzept präsentiert. 150 leistungsfähige Großscheinwerfer würden um die Siegessäule in Stellung gebracht, auf daß sie, steilwärts aufgerichtet, 70 Kilometer hoch die Jahrtausendnacht erhellen. Zugleich sollten die Berliner mit stark leuchtenden Taschenlampen die Siegessäule von unten anstrahlen und so eine "Lichtpyramide'' errichten.

Den Plan fanden alle prima, bis eine junge Journalistin der alternativen "tageszeitung'' einwarf, sie fühle sich an die Lichtdome von Hitler-Architekt Albert Speer erinnert. Von da an ging´s los. Erst griffen die Medien den Einwand auf, dann protestierte Günter Grass, sprach von faschistischen Lichtspielen. Schließlich schritt SPD-Bausenator Peter Strieder ein, erinnerte daran, daß die Siegessäule aus Kaisers Zeiten von den Nazis an ihren heutigen Standpunkt versetzt worden ist (was offenbar jedes Bauwerk hinreichend entweiht) und verbat sich jede Lichtspielschau, die das Denkmal dreier siegreicher Schlachten aus dem 19. Jahrhundert auf ungebührliche Weise ins Zentrum rückt. Auch "jede Art von Symmetrie'' untersagte der Senator, weil sie kennzeichnend für nationalsozialistische Ästhetik gewesen sei.

Zähneknirschend lenkte der Künstler ein. Daß er bei der Stasi in Haft saß, half ihm ebenso wenig wie der Tod seines Großvaters in einem Konzentrationslager. Er stand unter Verdacht. Nun hat er ein neues Konzept vorgestellt, das eine Million Mark teurer kommt, mehr Verkehrsstau produziert und von allen Kritikern als längst nicht so schön beurteilt wird. Dafür ist es politisch korrekt: Die Siegessäule verschwindet hinter Blaulicht, die Taschenlampen entfallen, die Scheinwerfer werden nicht mehr kreisförmig, sondern asymetrisch und in x-Formation aufgebaut. "Und weil Senator Strieder die Siegessäule stört,'' kündigt Gert Hof an, "werden rote, blaue und gelbe Lichtsäulen sie unentwegt durchstreichen.''

(aus Südwest-Presse, 1999)