Konzert raubte den Atem
Mike Oldfield fand hohe Wertschätzung in
Rostock
Musikhistorisch wichtig war es auf alle Fälle
schon mal: Nach 30 Jahren Karriere, 20 Platten und 40 Millionen
Verkaufseinheiten ließ sich Gitarrenguru Mike Oldfield erstmals
in Mecklenburg-Vorpommern und dazu noch gleich in Rostock
blicken. Wertschätzung seiner über die Jahre beachtlich
vielseitigen Produktionen zollten ihm denn am Sonnabend an die
4000 Besucher und Liebhaber seiner Musik in der hiesigen
Stadthalle.
Den Einstieg schaffte der Multiinstrumentalist
mühelos mit sphärisch anmutenden Klängen aus "The Songs Of
Distant Earth" (1994), wenig später gefolgt von "Shadow On The
Wall" in hörenswerter Fassung durch Sängerin Pepsi Demaque, die
auch die weiteren Gesangsparts übernahm. Sie ist übrigens keine
Unbekannte mehr, war sie doch über die Jahre unter anderen bei
"Wham!" und im Duo Pepsi & Shirley dabei. Überhaupt drapierte
sich Oldfield bei dieser Tour erneut mit einer exzellenten Band:
Adrian Thomas, der schon bei "Tubular Bells II" (1992) als
musikalischer Direktor mit von der Partie war, Claire Nicolson
(Keyboard/Gitarre) und Carrie Melbourne (Baß). Drummer Fergus
Gerrand kann bereits auf die Mitarbeit bei Duran Duran, Madonna,
East 17 oder auch Vanessa Mae verweisen.
Den ersten überwältigenden Spontanapplaus
schaffte der geniale Klassiker "Ommadawn" (1975) mit einem
kraftvollen Perkussioneinsatz, schluchzenden Gitarren und der
berühmt-oldfieldschen Versunkenheitspose. Quasi den Übergang zum
zweiten Komplex des Abends bildeten kurze, verspielte Melodien
seines jüngsten Albums "Guitars" (1999). Und da war es endlich:
sein wohl berühmtestes, nur wenige Sekunden dauerndes Motiv zu
"Tubular Bells" (1993), das in den folgenden Minuten fulminant
"TB3" (1998) einleitete. Ächzende Gitarren und rührende Bässe
gipfeln in "Outcast", um sich kurz darauf in entspannende
Momente zu verlieren, ehe die Abschlußpower sich "Fern über den
Wolken" bündelt und der Meister himself die berühmten
Röhrenglocken zum gewaltigen Finale in Gang setzt.
Nicht enden wollender Applaus nötigt den für
seine eher kurzen Konzerte bekannten Oldfield schließlich sogar
drei Zugaben ab: Während Sängerin Pepsi den "Family Man" bestens
bedient, reicht ihre Interpretation des Achtziger-Hits
"Moonlight Shadow" jedoch nicht an das seinerzeit mit viel
Pathos von Maggie Reilly vorgetragene Original heran. Das aber
bleibt der einzige Schönheitsfehler in einem atemberaubenden
Konzert, das nahezu Studioqualität aufweist. Mike Oldfield
bewies einmal mehr sein geniales Multi-Talent, auch wenn sich
sein Haarschopf inzwischen der Farbe seines weißen Tourshirts
ein wenig angepaßt hat. Exzellent!
(aus Schweriner Volkszeitung, 1999)
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