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Die Licht-Pyramide von Berlin

Wenn sich Silvester um Mitternacht das alte Jahrtausend verabschiedet, wünscht sich Regisseur Gert Hof (48) einem Moment des Schweigens. 250.000 Menschen sollen in andächtiger Stille die Berliner Siegessäule mit Taschenlampen anstrahlen und so das neue Millennium begrüßen. Sekunden später wird Gert Hof dann das vermutlich größte Spektakel aller Zeiten starten. 250 Edelgasscheinwerfer, die 70 Kilometer weit in den Himmel strahlen, 550 Speziallampen, 12 aufsteigende Leuchtballons und 40 000 weitere Leuchten sollen den Himmel in eine einzigartige Licht-Pyramide verwandeln. 3,8 Millionen Watt Strom werden für das Schauspiel mit dem Titel "Art in Heaven" (Kunst im Himmel) verbraucht. "Dazu brennen wir ein Spezialfeuerwerk ab, das 500 Meter hoch in den Himmel geschossen wird", erzählt Gert Hof.

Das Spektakel an der Siegessäule (Kosten: rund 25 Mio. DM, Eintritt frei) wird so gigantisch, daß sogar der Flugverkehr über der Hauptstadt ruhen muß. Hof: "Die Ausläufer unseres Millennium-Ereignisses kann man bis nach Hamburg und Dresden sehen." Passend zu der Inszenierung des gebürtigen Leipzigers Gert Hof wird Mike Oldfield (46, "Shadow On The Wall") erstmals live aus seinem neuen Album "Millennium Bell" spielen.

Regisseur Gert Hof - seit 20 Jahren arbeitet er als Lichtkünstler, gehört international zur Spitze. Er hat Konzerte für Griechenlands Musiklegende Mikis Theodorakis (74, "Alexis Sorbas") in Szene gesetzt, er führte Regie bei Videos und Bühnenshows der Band "Rammstein". In Sydney wird er mit seinem "Art in Heaven"-Programm Olympia 2000 eröffnen. Doch es gab auch weniger glanzvolle Zeiten im Leben des Mannes, der die weltgrößte Lichtshow in den Berliner Silvesterhimmel zaubern will. Als 15-Jähriger wurde er wegen des Besitzes von zwei Rolling-Stones-Platten von der Stasi in Einzelhaft gesteckt. Die brutalen Haftbedingungen (ein Wärter schlug ihm sogar ein Auge aus) prägten Gert Hof fürs Leben. "Ich war plötzlich erwachsen, niemand konnte mir mehr Angst machen."

Nach der Haftentlassung fing Gert Hof beim Theater an, einige seiner Aufführungen wurden verboten. Im Herbst 1989 setzte er in "Nina, Nina, Tam Kartina" dem Zentralkomitee Blindenbrillen auf und ließ die Herren auf der Bühne kollektiv Selbstmord verüben. Der Ausweisung aus der DDR entging er nur durch den Fall der Mauer. Auch nach der Wende blieb er sich treu, löste mit einem Stück am Staatstheater Tübingen eine Krisensitzung der Landesregierung Baden-Württemberg aus. Doch jetzt verspricht der Mann, der mangelnde Zivilcourage und falsche Harmonie haßt, seinen Zuschauern etwas ganz anderes: "Das Silvesterspektakel wird eine Komposition wie sie Menschen noch nie erlebt haben."

(aus Bild am Sonntag, 1999)