Der Meister der Kerzenlichtmusik
Mike Oldfield wurde in Fürth gefeiert - Pastellige Romantik
und wenig Showeffekte
Alles sehr atmosphärisch! Stets mit der tiefrot vom
Sonnenuntergang gefärbten griechischen Hafenpromenade oder
wenigstens dem romantischen Candelight-Dinner für Zwei im
Klangbild, das ist Mike Oldfield 1999.
Als Meister der Kerzenlichtmusik präsentierte er sein
aktuelles Programm "Guitars" in der Fürther Stadthalle. In einem
Guß neben den pastelligen Versuchen des aktuellen Albums, die
Variationsbreite der Gitarrenklänge auf einer CD
zusammenzufassen, gab Oldfield selbst seine alte Rockhymne
"Shadow On The Wall" in einer deutlich gedimmten Version.
Richtig störend erschien die teilweise scheppernde oder
wummrige Abmischung der E-Gitarrensounds, die so auf der CD
"Guitars" nicht festgehalten sind und wohl auch nicht als
"dreckige" Livesounds intendiert waren angesichts der
überwiegend in rosa-türkisen Mischtönen gehaltenen
Lichtgestaltung.
Die insgesamt zurückhaltende Verwendung visueller Effekte -
im Vergleich zu den Kollegen von Tangerine Dream geradezu
spartanisch - möchte man dem Oldfield als Superstar vergangener
Jahrzehnte anerkennend als Verneigung vor dem Zeitgeist
anrechnen. Zumal seine Fans ohnehin mehr bekamen, als sie
erwarten konnten: Oldfields meist beachtetes Werk "Tubular Bells
(III, II und I)" spielte er in kurzen Versionen gleich zweimal;
am Ende des Programmteils und noch einmal am Ende des
Zugabenteils. Das lud zum exaltierten Mitwippen ein; dafür wurde
der Künstler mit besonders frenetischem Applaus belohnt.
Im Vergleich zum nunmehr 26 Jahre alten Grundschema der
"Tubular Bells" gingen die neuen Titel des Werkes "Guitars"
hingenommener Maßen unter. Vielleicht auch, weil sich viel getan
hat, seit Mike Oldfield 1973 mit "Tublar Bells" seinen ersten
großen Erfolg feierte. Damals wurde er gepriesen als großer
Grenzgänger zwischen der Ernsten und der Unterhaltungsmusik;
alleine dieser Diskussion wird heute kaum mehr gedacht.
Gleichwohl hat er das Image des ernstzunehmenden Popkünstlers
bis heute nicht verloren, und vermutlich hat ihn dies vor dem
gnadenlosen Trashkultur-Stempel der heutigen Jugend ebenso
bewahrt wie vor der Schmach der Kaufhausramschtische.
Die Aura des Artisten, die den bescheidenen Engländer umgibt,
der in Fürth ganz leger in Baumwollhose und grauem T-Shirt auf
die Bühne kam, ist bemerkenswert und respektwürdig zugleich.
Schließlich stehen in einer Zeit, da minimalistische
Gitarrenschrammelbands, aufgetakelte Dance-Acts und abgedrehte
Techno-DJs gleichermaßen nach dem Sphärischen schielen, die
windelweichen "Guitars"-Kompositionen des Mike Oldfield da wie
"pure cheese".
Obwohl ins selbe Horn geblasen, war als Zugabe der
schlagerhafte 80er Jahre Hit "Moonlight Shadow" wahrzunehmen.
Mike Oldfield hat sich weiterentwickelt, versteckt dies aber
unter dem Mantel des alten Image.
(aus Nürnberger Zeitung, 1999) |