Solo für Oldfield
Es war am Montagabend, das erwartete Musikereignis auf dem
Hohentwiel: Mike Oldfield reihte sich in die Ruhmeshalle der
Festivalgrößen ein. Mehr aber leider nicht. Das durfte aber auch
keiner erwarten: Dieser Tüftler und Studio-Perfektionist bleibt
sich auch mit Band treu. Er moderiert das Konzert ein bißchen,
ist liebenswürdig, professionell in jedem Augenblick. Er hatte
trotz Band sein Solo auf dem Hohentwiel. Fünf Gitarren standen
stets bei Fuß, und der Star spielte auf allem und mit allem, was
in seiner Nähe stand. Die große Geste mit dem Gong kam am
Anfang. Da wußten die rund 3500 Besucher, was die Stunde
geschlagen hatte.
Eine Stunde durften die Besucher auf den Auftritt des
Meisters warten. Sie taten es. Oldfield hat seine populären
Titel für starke Frauenstimmen geschrieben. Dem mußte die sonst
kraftvolle Sängerin Tribut zollen. Für "Shadow On The Wall"
hätte es schon mehr gebraucht. Doch die Begeisterungsfähigkeit
des Publikums kannte da keine Grenzen. Als es bei der Zugabe
nach 75 Minuten an die "Moonlight Shadow" ging, kannte die
Freude keine Grenzen mehr. Jetzt bebte der Berg, der Mythos war
erreicht. Oldfield war hier gewesen! Das sind die Gesetze des
Festivals, die Kompromisse zwischen Star und Publikum.
Oldfield blickte auf 25 Jahre eigener Musikgeschichte zurück,
jagte immer wieder Sphärenklänge in den Äther, ließ die
Lauschenden in den Gitarrenklängen dahinschmelzen. Wie ein
Ritual zog er das Konzert durch, er zelebrierte hier seine
musikalische Messe, ein Botschafter aus einer anderen Welt.
Viele hatten wohl anderes erwartet, mehr den Namen als das
Werk zuvor gekannt. Was den einen Jimmy Hendrix, ist den anderen
Mike Oldfield. Sein Flamenco mit der klassischen Gitarre war ein
Traum. Immer wieder streute er herrliche Soli ein, gönnte sich
aber auch ein Zigarettchen auf einer Box sitzend, wenn seine
Crew sich einmal soundmäßig profilieren sollte. Schließlich will
auch der Meister nicht den ganzen Abend allein arbeiten. Das hat
ein Genie nicht nötig. Großartig und ein Erlebnis war der Abend
allemal.
(aus Singener Wochenblatt, 1999) |