"Millennium Bell" erklang zum Lichtspektakel
"Wir haben ideales Wetter", freute sich der
Produzent der größten Lichtshow der Welt, Joachim Perleberg,
kurz vor Beginn der Veranstaltung. Durch den Nebel werde man die
in den Himmel strahlenden Scheinwerferkegel an der Siegessäule
besonders gut sehen.
Allerdings hatte der Dunst auch Nachteile. In Dresden und
Hamburg konnte das Spektakel - anders als angekündigt - nicht
beobachtet werden. Schon hunderte Meter entfernt vom Großen
Stern sahen die Schaulustigen von den beeindruckenden Effekten
kaum noch etwas.
So war "Art in Heaven" ein exklusives Erlebnis für
die Menschen, die sich rund um die Siegessäule versammelt
hatten.
Diese Zuschauermassen übertrafen alle Erwartungen der Künstler.
Auf 250 000 Menschen hatten sie gehofft, und nun kam die
doppelte Zahl. Später Lohn für harte Arbeit, für Schmähungen
und die kurzfristige Änderung des Konzeptes wegen der Vorwürfe,
es handele sich angeblich um Nazi-Kunst. Co-Produzent Egon
Banghard ging bei einer kurzen Ansprache noch einmal auf die
Debatte ein: "Wir sind in eine Ecke gestellt worden, in die
wir absolut nicht gehören", sagte er unter dem tosenden
Applaus seiner Gäste. Perleberg hatte kurz vor Beginn der Show
über die Änderung der Scheinwerferanordnung auf Druck von
Supersenator Peter Strieder bereits gesagt: "Die Kunst hat
verloren."
Allerdings - letztlich hat das Team um Lichtarchitekt Gert
Hof den Senator doch ausgetrickst. Die Scheinwerfer leuchteten
fast nur in weiß. Die Farbfilter, die das Spektakel zu einer
Art riesiger Disco-Lichtorgel degradiert hätten, setzte Hof
sparsam ein.
Zu den Klängen der "Millennium Bell" des
umjubelten Mike Oldfield präsentierte sich zwei Minuten nach
Mitternacht für eine Viertelstunde ein herrliches
Gesamtkunstwerk, das die Menschen förmlich in seinen Bann zog.
Ärger gab es dennoch. Das mit 500 000 Mark bezahlte
Feuerwerk brannten die Pyrotechniker nicht ab - warum, wußte
keiner. Den Gesamteindruck des Spektakels schmälerte es nicht.
Auch wenn mancher, der von seinem Balkon aus zugucken wollte, über
den Nebel traurig war.
(aus Berliner Morgenpost, 2000)
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