Das Himmels-Spektakel - von Nebel und Qualm
verschluckt
Die Party rund um die Siegessäule: Schon am
frühen Abend drängten sich Hunderttausende auf dem Großen Stern.
Doch die Licht-Show "Art In Heaven" war eher mau, auch wegen des
dicken Nebels über Berlin. Vom groß angekündigten Feuerwerk war
auch nichts zu sehen. Zum Glück brachten die Leute ihre gute
Laune von zu Hause mit. Dazu sorgte Mike Oldfield für Stimmung.
Schon um 19 Uhr drängten sich Tausende vor der
Bühne. Sie freuten sich auf das "größte Silvester-Spektakel
aller Zeiten", auf einen "Lichtbahnhof ins dritte Jahrtausend" -
das hatten die Produzenten Achim Perleberg (51) und Egon
Banghard (58) versprochen. In wenigen Stunden mit über 800
Scheinwerfern 3,8 Megawatt Strom verbraten, 70 Kilometer weit
sollten die Lampen strahlen - das versprach monumental zu
werden. Dazu sollten die Besucher mit dem Licht aus 250 000
Taschenlampen in einem "Moment der Stille" eine
"Lichtkathedrale" in Richtung Himmel bauen. Doch als um
Mitternacht die Licht-Show begann, reckten sich nur wenige Köpfe
in die Höhe - richtig beeindruckend war´s nicht.
Die Kracher waren das Ärgernis des Abends: Weil
es verboten war, Böller mit aufs Gelände zu nehmen, hatte die
Polizei in der Hofjägerallee Brennplätze eingerichtet. Nur waren
die direkt am Eingang - und die Besucher mußten durchs Geballer
durch. "Fürchterlich", sagte Romy Campe (27), die mit Kollegen
aus Koblenz herkam. Und: Trotz der Kontrollen schleppten viele
Leute rucksackweise ihre Kracher aufs Gelände und feuerten sie
dort ab.
Doch als es auf Mitternacht zuging, war aller
Ärger verflogen. Der beste Moment: Mike Oldfield spielt
"Moonlight Shadow", seinen alten Hit. Spontan tanzten Ulrike
Schwaß (31) und ihr Besuch Roger Kohaus (43) aus Solingen los.
Sie hatten sich die Ecke zwischen Altonaer Straße und Spreeweg
rausgesucht. Da sie hier am meisten Platz hatten, waren sie
sofort umringt von in Kreisen tanzenden Party-Gästen. Wenige
Songs später (darunter "Shadow On The Wall") fing die Masse zu
zählen an: Einen Countdown von einer Minute runter auf Null.
Sektkorken knallten, Menschen küßten sich - darunter auch die
Koblenzerin Romy. Sie umarmte ihren Kollegen Dieter Braun (32),
stieß mit Sekt an. Schade: Als die Flasche um halb eins leer
war, gab´s schon an den Ständen keinen Nachschub mehr. "Müssen
wir eben woanders weiterfeiern."
(aus Berliner Kurier am Sonntag, 2000) |