"Ich hasse Computer-Games"
"Tubular Bells", vor fast 30 Jahren im Alleingang
eingespielt, war ein Geniestreich. Mit dem Album "Tres
Lunas" erobert Mike Oldfield nun auch virtuelle Welten.
com!online: Mister Oldfield, wie oft haben Sie den Film
"Exorzist" im Kino gesehen?
Oldfield: Noch nie. Ich habe nur ein Video davon zu Hause.
com!online: Stört es Sie, daß Ihr berühmtes Opus
"Tubular Bells" ständig als Musikuntermalung für
solche Horror-Streifen herhalten muß?
Oldfield: Überhaupt nicht. Ich staune selbst immer wieder,
wie unheimlich vor allem die Glöckchen-Sounds wirken.
com!online: Für welche Art von Film würde sich Ihr neues
Album "Tres Lunas" eignen?
Oldfield: Ich habe mich von den Sonnenuntergängen im Café
del Mar auf Ibiza inspirieren lassen. Der Sound strahlt Ruhe und
Entspannung aus, es ist echte Chill-out-Musik für friedvolle
Momente.
com!online: Ihrem neuen Album liegt eine Extra-CD namens
"Music VR" bei. Was hat es damit auf sich?
Oldfield: "Music VR" ist eine neuartige virtuelle
Welt, zu der die Disc den Schlüssel bildet. Gegen eine kleine
Extragebühr können Sie ein dreidimensionales Game spielen, das
Sie durch fantastische Landschaften führt. Sie können mit
Delphinen schwimmen und Wüsten in blühende Gärten verwandeln.
Via Internet läßt sich sogar mit anderen Spielern in aller
Welt kommunizieren. Ich selbst bin durch die Figur
"Moff" vertreten und habe für das Spiel auch eigene
Klangwelten komponiert. Eine Demo-Version können sich PC-User
übrigens von meiner Homepage herunterladen.
com!online: Sie scheinen ja den ganzen Tag vor dem Computer
zu verbringen...
Oldfield: Wozu denn? Ich hasse Computerspiele und finde das
Internet eigentlich ziemlich öde.
com!online: Ist das Ihr Ernst?
Oldfield: Doch. Computer-Games verherrlichen viel zu sehr die
Gewalt und engen den Blickwinkel ein. Mit "Music VR"
wollte ich eine Alternative aufzeigen - für Gewalt gibt´s da
Minuspunkte.
com!online: Und wie steht´s mit dem Web?
Oldfield: Es gibt sicher nichts Besseres, um nach einem
harten Tag ein gutes Restaurant zu finden. Und das
E-Mail-Schreiben ist auch ein Segen.
com!online: Das war´s schon? Wie sieht dann Ihr Verhältnis
zu Ihrer eigenen Homepage aus?
Oldfield: Auch Homepages dienen nur der Information, und da
ist das Netz schon ganz praktisch. Aber die Grenzen der
Bildschirmdarstellung, das Durcheinander der Systeme, die
Instabilität und manchmal auch die langen Wartezeiten zeigen
doch, daß die Technik noch in den Kinderschuhen steckt. Fragen
Sie mich dazu in 50 Jahren noch mal...
(aus Com!Online, 2002)
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