www.tubular-world.com

   

 

Übersicht

Sie befinden sich hier: Startseite » Presseartikel » Closing Words: Mike Oldfield

StartseiteSuchenSitemapKontaktUpdatesImpressum

Closing Words: Mike Oldfield

Mike Oldfield, 49jähriger Soundmaestro, Ambient-Vordenker und ganz nebenbei auch noch Pop-Ikone aus England ("Moonlight Shadow"), legt dieser Tage mit "Tres Lunas" ein weiteres Klangwunderwerk zwischen Techno, Pop und Avantgarde vor, das in den angesagtesten Clubs von Oldfields Wahlheimat Ibiza entstand. Parallel zum Release des Albums sorgt der Gitarrist und Komponist zusätzlich mit einem außergewöhnlichen Multimediaprojekt für Aufsehen (mehr Informationen dazu auf www.mikeoldfield.com). Ehrensache, den Mann diesmal die Closing Words sprechen zu lassen.

Wer sind Deine musikalischen Helden?

Vor allem die großen Komponisten der Klassik, wobei ich auch nicht alles von diesen Leuten mag. Aber ich höre mir ab und zu sehr gern etwas von Strawinsky, Ravel und Bach an. Was die Rockmusik angeht, kann ich beim besten Willen keine Namen nennen. Es gibt zwar ein paar Bands, von denen ich einzelne Tracks, die sie irgendwann mal in den siebziger Jahren gemacht haben, sehr gelungen finde, aber leider hasse ich all ihre restlichen Nummern.

Welche ist Deine absolute Lieblingsplatte?

Da gibt´s keine.

Welche aktuellen Alben kannst Du empfehlen?

Keine. Ich hasse diese neuen Pop-Bands, das sind doch bloß Marionetten der Musikindustrie! Natürlich gibt es Ausnahmen, Robbie Williams zum Beispiel, aber nicht mal von denen würde ich mir eine Platte kaufen, weil ich abseits meiner Arbeit nur sehr selten Musik höre, und wenn schon, dann wie gesagt klassische Klänge.

Kannst Du Dich mit dem Sex, Drugs & Rock´n´Roll-Lifestyle identifizieren?

Früher mal, aber inzwischen nicht mehr. Am Anfang ist das alles sehr aufregend, aber mit der Zeit wird´s langweilig. Alles auf der Welt langweilt mich nach einer gewissen Zeit, abgesehen von kreativen Prozessen. Mir geht´s in erster Linie darum, Dinge neu zu erfinden. Alles andere ist nicht wirklich wichtig.

Was macht einen guten Musiker aus?

Die Bereitschaft zu lernen. Talent ist die Voraussetzung, aber es nützt einem nichts, wenn man nicht lernt, es richtig einzusetzen. Wer ein guter Musiker werden will, der muß rauf auf die Bühne, live spielen und lernen, wie man mit dem Publikum kommuniziert. Manche Leute denken, es reicht heutzutage, mit einer Maus und einem Bildschirm zu arbeiten, aber ich bin da ganz anderer Meinung. Darüber hinaus muß ein guter Musiker den Mut aufbringen, sein Ding durchzuziehen und nicht die Musik zu machen, die andere Leute hören wollen; er muß an sich glauben und darauf gefaßt sein, daß Menschen seine Musik ablehnen.

Was war das erste Konzert, das Du besucht hast?

Schwer zu sagen, kann mich kaum noch erinnern. Wahrscheinlich irgendein Folk-Typ in einem Pub in Reading, meiner Heimatstadt.

Wann bist Du zum ersten Mal live aufgetreten?

Wenn ich mich recht entsinne, ungefähr mit neun oder zehn Jahren, aber frag mich nicht, wo und warum. Mit 15 spielte ich bereits in einer Band, die im Vorprogramm von Leuten wie Pink Floyd, Genesis und Hawkwind auftrat.

Welcher Song auf "Tres Lunas" beschreibt Dich am besten?

Der erste, "Misty". Warum? Weil es darin um mein Pferd geht. Nein, im Ernst. Misty ist ein wirklich schönes Pferd, es bedeutet mir eine Menge.

Warum sollte man "Tres Lunas" kaufen?

Gute Frage. Nun, es gibt etwas, das dieses Album anderen Alben zur Zeit voraus hat: Wer einen PC besitzt, kann mit Hilfe des Albums in eine dreidimensionale, musikalisch-virtuelle Welt eintauchen. Ich möchte hier nicht zu viel verraten, aber das Ganze ist wirklich aufregend und innovativ. Was sonst noch besonders an dem Album ist? Keine Ahnung. Ich bin echt schlecht darin, mich selbst zu promoten. Können das nicht andere für mich erledigen?

Genießt Du Deine Popularität?

Interessante Frage, habe gerade mit meinem Psychotherapeuten darüber gesprochen. Ich will mal so sagen: Ich genieße meine Popularität dann, wenn sie mir hilft, anderen Menschen zu helfen. Es ist toll zu wissen, daß meine Musik viele Leute da draußen positiv beeinflußt - das wäre nicht der Fall, wenn ich völlig unbekannt wäre, weil dann niemand meine Musik hören würde. Ich bekomme oft Briefe von Menschen in Krankenhäusern und Gefängnissen, denen meine Songs dabei helfen, schwere Zeiten zu überstehen - das ist doch großartig, oder? Außerdem ermöglicht es mir meine Popularität, kreativ zu sein und genau die Dinge zu tun, die ich auch wirklich tun möchte. Die negativen Seiten des Ruhms, von denen andere Künstler oft sprechen, kenne ich nicht. Allerdings werde ich auf der Straße auch selten angesprochen, weil mich die Leute gar nicht erkennen. Ich sehe wohl auf den Fotos anders aus als in Natur. Obwohl - manchmal werde ich an den seltsamsten Plätzen nach einem Autogramm gefragt, erst letztens irgendwo in der Einöde von Mexiko!

Was ist Dein größtes Talent?

Am Leben zu bleiben.

Was würdest Du tun, wenn Du einen Tag lang unsichtbar wärst?

Versuchen, meinen Körper wiederzubekommen. Mein größter Traum ist es, fliegen zu können, nicht unsichtbar zu sein.

Welche Person würdest Du gern einen Tag lang sein?

Da gibt´s keine. Ich bin ganz zufrieden mit mir selbst. Aber wenn Du drauf bestehst, dann wäre ich gern ein Bergsteiger, der sich kurz vor dem Gipfel befindet - nur ungern würde ich auch den beschwerlichen Aufstieg auf mich nehmen müssen...

Was war das großartigste (1) und was war das schrecklichste (2) Ereignis Deines Lebens?

1) Der Moment, in dem ich als Hunger leidender Musiker in meiner Wohnung im heruntergekommensten Teil Londons einen Anruf von einer großen Plattenfirma bekam - samt dem Angebot, eine Platte aufnehmen. 2) Der Tod meiner Mutter.

Was soll auf Deinem Grabstein stehen?

www.mikeoldfield.com

Angenommen, Dein Leben würde verfilmt werden - wer sollte die Hauptrolle spielen?

Das müßten ja mehrere Leute sein. Für die Rolle des Mike Oldfield in meinem jetzigen Alter hätte ich gern William Shatner alias Captain Kirk aus "Raumschiff Enterprise". Und für die Rolle des jungen Mike Oldfield wäre wahrscheinlich Bart Simpson ideal. Und die Jahre dazwischen? Ach, die lassen wir einfach weg...

Du hast drei Wünsche frei!

1) Meinen Körper verlassen und in der Galaxie herumschwirren zu können.

2) Heute schon die Musik zu hören, die es erst in einer Million Jahren geben wird.

3) Durch die Zeit reisen zu können.

(aus ACCESS all areas, 2002)