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Mike Oldfield: Tres Lunas

Was bisher geschah? Die letzten Jahre verbrachte Mike Oldfield in seinem Haus auf Ibiza. Die Baleareninsel ist nicht nur beliebtes Urlaubsziel, sondern zugleich als kreatives Zentrum einer pulsierenden Musikszene bekannt, die groovende Clubtracks genauso hervorbringt wie die berühmten Chill-Out-Compilations à la Cafe del Mar. Mittlerweile lebt Mike Oldfield hauptsächlich wieder in London, doch das Lebensgefühl Ibizas aber hat er sich erhalten.

Drei Monde

Auch "Tres Lunas" schöpft aus der Erfahrung dieser inneren Freiheit und Relaxtheit, die das Album wie ein roter Faden durchzieht. Mike Oldfield legt viel Wert auf Rhythmen und Grooves, speziell die Rhythmen der martialischen Tänze Caipuera aus Brasilien finden häufigen Eingang. Elektronische Instrumentierung bestimmt die schwebenden Sounds, zuweilen unter Ergänzung von konventionellen Instrumenten wie dem Saxophon auf dem Opener "Misty" und fragilen Pianoklängen auf Songs wie "Viper" und "Daydream". Songs wie "Return Of The Origin" lassen dabei großen Spielraum für Vokal-Einlagen, Oldfields typische, jubilierende Gitarre und den natürlichen Klang der Tablas und anderer Percussions. Erste Single ist der an afrikanische Rhythmen orientierte "Song To Be Free".

New Age

Schon das musikalische Schaffen der letzten Jahre war stark von der hochentspannten und ausgeglichen-heiteren Atmosphäre des Mittelmeeres geprägt. Das 1998 eingespielte Album "Tubular Bells III" entstand auf Ibiza, die Folgealben "Guitars" und "The Millennium Bell" trugen das Erbe dieser Einflüsse unüberhörbar in sich. Kaum verwunderlich, wenn man sich vergegenwärtigt, daß Mike Oldfield nicht nur Teil dieser Tradition ist, sondern sie als einer ihrer Urväter mitgeprägt hat. So war bereits sein Debüt "Tubular Bells" (1973) ein sphärisches Opus, das sich über zwei komplette Vinyl-Plattenseiten erstreckte und kaum noch den Schein traditioneller Songstruktur bewahren wollte, "Hergest Ridge" (1974) und "Ommadawn" (1975) setzten diesen Weg konsequent fort. Nun, in den Siebzigern nannte man das noch New Age Musik, doch in der Tat begründete Mike Oldfield mit diesen seinen Standardwerken jene Musikrichtung, die schließlich unter der Bezeichnung Ambient in den 80er und 90er Jahren weltweit Furore machen sollte.

Mainstream

In den späten siebziger Jahren widmete sich Mike Oldfield zunächst bodenständigeren Popstrukturen und hielt Einzug in die Clubs. Er fertigte 1979 eine Danceversion des Philip Glass-Songs "North Star", enthalten auf dem Album "Platinum", und hatte größere Single-Hits mit den Songs "Guilty" und "Moonlight Shadow". Die Alben "Crises" (1983), "Discovery" (1984) und "Islands" (1987) zeigten Mike Oldfield Mainstream-kompatibel, bis er sich 1992 mit Trevor Horn zusammentat, um "Tubular Bells II" aufzunehmen, das bis heute eines seiner erfolgreichsten Alben geblieben ist. Ein dritter Teil folgte 1998, bis Mike Oldfield Ende 1999 das Album "The Millennium Bell" vorlegte. Dieses bildete die Grundlage für ein bislang ungetopptes Spektakel: In der Silvesternacht 1999/2000 spielte Mike Oldfield Stücke des Albums um Mitternacht live am Brandenburger Tor. 500.000 Zuschauer und 200 Millionen TV-Gäste verfolgten das Ereignis zur Jahrtausendwende live oder am Bildschirm.

(aus Super Illu, 2002)