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Mike Oldfield - Tipp4u

Draußen scheint die Sonne, welch ein Pech. Mike Oldfield kann uns also beim Abschied nur bis in den Flur begleiten, helles Licht ist lange schon sein Feind. Es blendet auf dem Bildschirm und stört des Meisters empfindliche Augen.

Schließlich ist er nachts oft wach und bald 24 Stunden am Tag mehr oder minder allein, das prägt. Doch beim Balanceakt zwischen Psychopath und harmlos verschrobenem Unikat ist der Brite gerade noch mal auf die richtige Seite gefallen. Woran vielleicht das Internet Schuld trägt. Ein knappes Jahrzehnt, berichtet Oldfield bei der Sitzung in seinen heimischen Laboratorien im Westen Londons mit Blick ins Grüne - wenn die Vorhänge denn offen wären -, habe er sich die Alternative zu unserer schmutzigen, schlechten Welt gebaut, nun endlich sei das Gegenmodell zur Marktreife gelangt.

Hört sich spannend an, zumal wir eigentlich nur eines neuen Albums wegen hier her gekommen waren. Das heißt „Tres Lunas“ und klingt wie der Soundtrack zu einer Doku über das Café del Mar auf Ibiza und gottlob nicht wie der x-te Versuch, die "Tubular Bells" noch einmal auszuschlachten.

Aber Mike hat sowieso andere Anliegen. Mit der CD gelangt nämlich auch eine CD-ROM in den Handel, die jedem Käufer mit PC (Mac-Fans müssen leider draußen bleiben) seinen Zugangscode zu Oldfields neuem Lieblingsbaby verschafft. Und das Game namens "Music VR" ist, schlicht gesagt, ein Hammer - für all jene, die dumpfes Herumgeballer oder schnödes Bleifuß-Gewese auf virtuellen Nürburgringen immer schon doof fanden.

Statt dessen setzt "Music VR" auf Fantasy-Fans, Tolkien-Jünger und friedliebende Lehrerehepaare als Klientel, die bislang den PC-Games eher abhold geblieben waren. Und weil ein Füllhorn angenehmer Klänge zum farbenfrohen Schwelgen in üppgen, virtuellen Landschaften, an dem bis 13 Teilnehmer gleichzeitig weltweit via Internet teilhaben können, nicht schaden kann, hören wir "Tres Lunas" als Soundtrack halsbrecherischer Expeditionen durch Mike Oldfields Wunderland. Mit derart mildem Blick haben wir schon lange kein Produkt aus dem Hause des verqueren Artisten mehr betrachten können.

(aus MusicPrint, 04/2002)