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Mike Oldfields Tubular Bells 2003

Mike Oldfield, der unumstrittene Meister der orchestralen Klangstrukturen, legte 1973 mit "Tubular Bells" einen Meilenstein der Musikgeschichte hin. Genau 30 Jahre später präsentiert er nun eine neu gemasterte Version seines Klassikers, diesmal mit "den größtmögllichen Effekten und verbessertem Sound", wie er verspricht.

"Tubular Bells", was auf deutsch soviel wie Röhrengong bedeutet, war ursprünglich die Quelle, aus der eine Flut von Musikrichtungen entstand. Ambient, Trance, New Age – all das hätte es ohne das mit 30 Instrumenten und 2300 Overdubs bespielte Frühwerk von Mike Oldfield so nicht gegeben. Generationen von Musikfans ließen sich von dem sphärischen Soundgeflecht in nebulöse Traumwelten entführen, die Macher von "Der Exorzist" nutzten es, um die unheimliche Atmosphäre des Films zu unterstreichen. Dabei war Mike Oldfield schon kurz nach der Aufnahme eigtentlich nicht mehr zufrieden mit seinem Werk: "Jedes Mal, wenn ich mir die Originalversion anhörte, fielen mir die Fehler auf", erklärte er kürzlich im Interview.

Vertragliche Verpflichtungen hinderten den Musiker allerdings 25 Jahre lang daran, das Album neu aufzunehmen. Diese Bannfrist ist nun vorbei und mit leichter Verspätung gibt es nun das aufpolierte "Tubular Bells 2003", dass mittlerweile auch auf DVD zu haben ist. Warum? Kritiker wittern bei der Neuauflage reine Geldschneiderei, veröffentlichte Oldfield doch schon "Tubular Bells II" (1992), "Tubular Bells III" (1998) sowie "The Millenium Bell" (1999), das zur Jahrtausendwende vor 600.000 Zuschauern vor dem Brandenburger Tor aufgeführt wurde.

Andererseits mag es wirklich ein Herzenswunsch des 50-jährigen, psychisch latent labilen Musikers gewesen sein, sein frühes Meisterwerk zu vervollkommnen. "Ich wollte den Sound von damals exakt kopieren. Der einzige Unterschied liegt in der Präzision, in der ich es diesmal eingespielt habe und der exakteren Strukturierung, die ich in all den Jahren erlernt habe." Bemerkbar macht sich das allerdings höchst dezent, nur einige wenige Parts wie "Basses" wurden hinsichtlich ihrer Instrumentierung (von Double-Bass zu verzerrtem, einfachem Bass) verändert. Ansonsten bleiben nur Feinheiten, die das Hörvergnügen für Kenner und Fans optimieren sollen, anderen Normalsterblichen aber weitestgehend verborgen bleiben. Oder wie Oldfield es sagt: „Ich habe gelernt, die Lücken auszufüllen und den Sound zu verbessern, um den größtmöglichen Effekt zu erreichen.“

"Tubular Bells 2003" ist deshalb ein Album mit stark polarisierter Zielgruppe: Einerseits interessant für jene, die das Original nicht kennen, anderseits auch ein Genuss für audiophile Hardcore-Fans, die sich mit 5.1 Dolby-Surround ins wabernde Oldfield-Nirvana hineinhören wollen. Alle anderen könnten allerdings enttäuscht werden.

(aus Indigo, 2003)