Bilder aus der Wundertüte
Klangmaler Mike Oldfield wird heute 50 und legt die Glocken
neu auf
Seine Platten sind wie Wundertüten. Manches erweist sich als
Kleinord, manches ist recycelt oder verdient, diesen Weg zu
gehen. "Tres Lunas" war gerade eine solche Stückesammlung, die
die Welt nicht braucht.
Sein "Opus 1" (so sollte "Tubular Bells" eigentlich heißen) hat
ihn früh berühmt gemacht. Populär wurde das Werk über einen
Film, der so gar nicht dazu paßte: "Der Exorzist". Doch der
Vorgang war exemplarisch. Oldfields Musik schreit nach Bildern.
Sie saugt die Szenen auf, die man erlebte, als man das Lied zum
ersten Mal hörte.
Oldfield schreibt Filmmusiken für den privaten Gebrauch, die
offenbar auch 30 Jahre nach dem Opus 1 noch von vielen gebraucht
wird. Trotz oder weil es nahe am Kitsch ist. Trotz oder weil man
dabei ans Heulen kommt, zuweilen. Daß es nicht immer Treffer
sind, liegt vielleicht daran, daß er nicht immer so unglücklich
war wie vor "Tubular Bells", dem Original. Er hat gerade wieder
geheiratet und "Tubular Bells" neu eingespielt, die Wundertüte
erscheint am 26. Mai. Falls der Neuaufguß an den ersten nicht
heranreicht: Gönnen wir ihm doch das Glück zum 50.
(aus Thüringische Allgemeine Zeitung, 2003)
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