Große Sause mit Op und Pop
Es war mal wieder eine große Klassik-Pop-Sause. Die Heroen
der Rockmusik riefen, scheuten nicht den Kontakt zur klassischen
Muse, und alle kamen. Am ersten Abend der "Nokia Night Of The
Proms", die in Hamburg ihre Deutschland-Premiere erlebte, waren
fast alle 15 000 Sitzplätze der Color-Line-Arena besetzt. Seit
rund 20 Jahren zieht die Show mit überwältigendem Erfolg durch
europäische Metropolen. Das gerne mit dem Schmähwort vom
Crossover belegte Konzept "Klassik meets Pop", hier geht es für
die Masse auf, vor einer imposanten Orchesterkulisse und mit
ausgefeilter Licht- und Videoregie.
Die Menge tobte, als Musiklegende Mike Oldfield sich nach langer
Bühnenabstinenz mit seiner Gitarre zeigte und die Megahits
"Shadow On The Wall" und "Get To France" anstimmte. Das Pathos
und der elegische Pop der Songs des Briten harmonierten prächtig
mit dem bestens aufgelegten Sinfonieorchester Il Novecento unter
Robert Groslot und den Stimmen des Chor Fine Fleur. Überhaupt
war es ein Abend der 80er-Jahre-Legenden. Tina Turners Ex-Mann,
der über 20 Jahre verschollene Ike Turner, präsentierte den
früheren gemeinsamen Hit "Nutbush City Limits". Unvergessen auch
die Lieder der einstigen Wave-Pop-Truppe OMD - Orchestral
Manoeuvres In The Dark. Chico & The Gypsies sorgten überdies für
eine munter folkloristische Klangfarbe. Höhepunkt war wie immer
der Auftritt von John Miles. Der Sänger der Electric Band sprach
mit seinem ultimativen Hit "Music Was My First Love" mal wieder
aus, was alle dachten.
Jeder von Moderator Uwe Bahn launig angekündigte Künstler rief
beim Publikum neue Jubelschreie hervor. Rund 130 Künstler
durchquerten über rund drei Stunden ein Programm aus 300 Jahren
Musikgeschichte und fegten dabei mühelos Genregrenzen hinweg.
Für den Part von Beethoven und Co. war dabei neben dem Orchester
vor allem der britische Sänger Tony Henry zuständig.
(aus Hamburger Abendblatt, 2006)
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