Zeitreise im Bombastrock
Wiedersehen mit OMD und Mike Oldfield: 9000 feierten gestern
Abend in der TUI-Arena mit der Nokia Night Of The Proms ein
gewaltiges Pop-Fest
Ein Konzert? Eine Show? In jedem Fall ein Ereignis: Die Nokia
Night Of The Proms ist eine Gute-Laune-Veranstaltung, ein
Pop-Klassik-Mix, eine gigantische Lichtshow, ein Wiedersehen mit
Musik-Titanen. Inzwischen feiert sich die überaus erfolgreiche
Veranstaltungsreihe selbst: Die Zuschauer singen, schunkeln,
klatschen, funzeln bei bestimmten Liedern wie der Pop-Hymne
"Music (Was My First Love)" von John Miles mit kleinen Lämpchen.
Ein Muß für den Nokia-Fan auch die Tanzeinlage. Nach der Pause
bitten das bombastische Orchester Il Novecento (unter Leitung
von Robert Groslot) und Moderator Uwe Bahn zum
Johann-Strauß-Walzer. Hannover läßt sich nicht lange bitten, zig
Paare schieben und drehen sich zwischen den Gängen der
bestuhlten TUI-Arena Hannover hin und her. Erlaubt ist, was
gefällt. Und bei der Nokia Night darf der Zuschauer machen,
wonach ihm der Sinn steht.
Opener gestern Abend in der mit 9000 Besuchern sehr gut
besuchten TUI-Arena: Musiklegende Ike Turner, 75 Jahre ist er
inzwischen, sogar etwas erkältet tritt er in Hannover auf.
"Rollin´ On The River" kommt gleich sehr gut an, aufstehen und
mitklatschen. Später am Abend legt er noch "Nutbush City Limits"
nach. Die Zuschauer rasten aus - gewiß auch, weil Sängerin
Lyrica wirbelt wie einst Tina Turner.
Spaßmacher des Abends ist der kleine, rundliche Chico, der mit
seinen Gypsies vor einigen Jahren den Welthit "Bamboleo" schuf.
Die heiß brodelnden Rhythmen aus traditionellem Flamenco, Salsa
und Pop reißen Besucher hoch und raus auf die Gänge zum
spontanen Abtanzen. Und auch das geht: Frank Sinatras "My Way"
in Chico-Gypsy-Manier.
Und dann ist er da: Der "Tubular Bells"-Mann Mike Oldfield. Seit
seinem Auftritt am 31. Dezember 1999 beim "Art In
Heaven"-Lichtspektakel in Berlin ist der Engländer nicht mehr
live auf der Bühne gewesen. Sein weltberühmtes "Tubular Bells"
kommt zuerst, "Moonlight Shadow", "To France", "Shadow On The
Wall" folgen. Was den Auftritt dieses eher unscheinbaren Könners
so besonders macht: Aus harmlosem Gitarrengezupfe am Anfang
schwellen orchestrale Klangstrukturen heran, die in
musikalischem Bombastorkan explodieren. Die Wellen schießen quer
durch den Körper.
Neben Depeche Mode oder Ultravox gehörten OMD zum Feinsten, was
die New-Wave-Bewegung hervorbrachte. OMD (Orchestral Manoeuvres
In The Dark) ist einer der Top-Acts des Abends und Begleiter
einer Zeitreise weit zurück in die Achtziger: "Maid Of Orleans",
das späte "Sailing On The Seven Seas", dazu ein Zusammenschnitt
aus "Souvenir", "If You Leave", "Forever Live And Die" und
"Walking On The Milky Way" aus den Neunzigern kommen stimmlich
astrein daher, Paul Humphreys und Andy McCluskey sind zurück.
Nach 17 Jahren Trennung stehen OMD bei den Nokia Nights erstmals
gemeinsam auf der Bühne. Und das ist die frohe Botschaft des
Abends.
(aus Neue Presse, 2006)
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