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Und die Halle tanzt Walzer

Fast 9000 Zuschauer bei der "Night Of The Proms"/Überragender Tenor Tony Henry

Ein wunderschönes Bühnenbild mit einer Art hauchzarten Blättern, einer perfekt abgestimmten Lichtshow, Ruhe statt Hektik ausstrahlenden Bildern auf einer ovalen Videoleinwand und einem überragenden Tenor Tony Henry - die Zuschauer der "Nokia Night of the Proms" am Dienstagabend im Bremer AWD-Dome dürften ihr Kommen nicht bereut haben.

Der im Vorfeld als "britische Antwort auf Pavarotti" angekündigte Tenor Tony Henry überzeugte auf der ganzen Linie. Der mit Frau und Kindern in den schottischen Highlands lebende Sänger sang einst in Musicals in London, bevor er sich (zum Glück) ganz auf die Oper konzentrierte. Ob als Figaro im weißen Kittel, der Moderator Uwe Bahn einseift, George Bizets "Nella Fantasia" singend - der "Teufelstenor" erntete im ausverkauften AWD-Dome Riesenbeifall von den rund 9000 Zuschauern. Die Kamera konnte dem sichtlich mit Herzblut agierenden Briten kaum folgen, als er im zweiten Teil das Publikum in den Reihen richtig aufmischte. Zu den Höhepunkten der Show zählte sicher das Duett "Miserere" mit Vollblutmusiker John Miles. Da waren die Musik-Fans schlichtweg aus dem Häuschen.

Apropos John Miles: Sein vor vielen Jahren geschriebener Klassiker "Music" darf in keiner Proms-Nacht fehlen. Und am Dienstag zeigte sich Miles am weißen Klavier absolut souverän, die Halle tobte, die Leute sangen lauthals mit.

Ob Pop oder Klassik, immer wieder ein Genuß ist das erstklassige Orchester Il Novecento unter Robert Groslot. Schade, daß der Chor Fine Fleur im Vergleich zu den Vorjahren zahlenmäßig ein wenig geschrumpft war. Eher ein wenig störend denn zu den Proms passend kam das Orchester kurz nach Beginn des zweiten Teils mit aggressiven Klängen zu teils abschreckenden Bildern wie Skeletten daher. Viel schöner waren da im ersten Teil "Firebird" oder ein Stück aus "Carmen" mit entspannenden Videobildern. Später wurde es allerdings wieder leicht-locker mit einem Walzer-Medley des Orchesters. Da tanzte die Halle Walzer - 107 Paare sollen es gewesen sein, die sich im Walzer-Takt in den Gängen wiegten, angeblich mehr als in München.

Ike Turner hat seine Glanzzeiten eindeutig hinter sich. Daß der 75-Jährige die Gitarre (nach etwa zwei Zeilen Gesang) selbst spielte, daran hatten etliche Besucher ihre berechtigten Zweifel. Doch die großartige Lyrica Garrett, die mit Power in Stimme und Körper über die Bühne fegte und locker den Part Tina Turners übernahm, ließ Ike fast vergessen. Angesichts der Bühnenpräsenz Garretts hätte es der Rocklegende gar nicht bedurft.

Eine andere Legende, nämlich Mike Oldfield, tat völlig cool auf der Bühne stehend das, was er immer noch grandios kann: Gitarre spielen. "Tubular Bells", "Moonlight Shadow" (mit Miriam Stockley) und "Shadow on the Wall" (mit John Miles) waren einfach klasse - vor allem Letzteres.

Mit Synthie-Pop der 80er Jahre kam auch OMD an. Nur das Medley war wenig klug zusammengestellt und hatte recht harte Übergänge. Für Fiesta-Stimmung zu Sambaklängen sorgten Chico & The Gypsies.

(aus Kreiszeitung, 2006)