Der Star als Statist seiner Hits
Konzert: Wiedersehen mit den Helden von
gestern: Ike Turner, Mike Oldfield, John Miles und andere
Pop-Veteranen in Frankfurt
Ike Turner steht am Donnerstagabend bei der
"Night Of The Proms" am Bühnenrand der Frankfurter Festhalle und
schlägt etwas schlaff in die Saiten seiner E-Gitarre. Allein
sein Gala-Anzug mit den Glitzerapplikationen vermag zu funkeln.
"Left A Good Job In The City" lässt der Rockveteran nur kurz
seine Baß-Stimme zum Auftakt von "Proud Mary" donnern, dann
übernimmt die junge Rockdiva Lyrica Garrett die Show. Mit
Löwenmähne, hohem Absatz, knapper Bluse und kerniger Röhre gibt
die quirlige Afro-Amerikanerin den anspruchsvollen
Tina-Turner-Ersatz. Ike Turner wird zum Beiwerk. Im Hintergrund
zaubern das Orchester Il Novecento und der Chor Fine Fleur
klassisches Flair zu den Rockarrangements.
Das ist Konzept der Konzerttour, die seit zwei Jahrzehnten in
der Vorweihnachtszeit leichte Klassikkost mit Pop- und
Rock-Ohrwürmern kombiniert. Mit üppigen Showeffekten geschmückt,
füllen die Shows europäische Musikhallen. Dabei holen die
Veranstalter auch verstummt geglaubte Musiker wieder auf die
Bühne. John Miles ist Dauergast seit vielen Jahren, und auch
Mike Oldfield ist diesmal gekommen. Den Gesang seiner Hits
übernimmt Miriam Stockley mit energetischem Sopran. Stockley ist
als Stimme hinter der Weltmusik von Adiemus bekannt, bei
"Moonlight Shadow" wogt am Donnerstag, beim ersten von zwei
Konzerten, ein Lichtermeer aus kleinen Batterielämpchen durch
die ausverkaufte Halle. Paul Humphreys und Andy McCluskey,
besser bekannt als Orchestral Manoeuvers In The Dark, lassen
ihre Synthesizersalven dröhnen. Zu "Sailing On The Seven Seas"
und "Maid Of Orleans" liefern sie drollige Tanzeinlagen mit wild
schlenkerndem Armeinsatz.
Das Publikum feiert seine Stars wohlwollend und mit reichlich
Beifall.
(aus Darmstädter Echo, 2006)
|