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Promenadenmischung

Klassik trifft Pop. Da sagt der Pop zur Klassik: "Hey! Du, so kurz vor Weihnachten gehen wir doch immer zusammen zur Nokia Night Of The Proms." "Stimmt.", antwortet die Klassik, "und?" "Na ja. Ich fänd´s echt cool, wenn du dich diesmal ein bißchen zurückhalten könntest."

Der Dialog ist selbstverständlich frei erfunden. Müßte er aber nicht sein: Beim sechsten Gastspiel der Nokia Night Of The Proms in der Köpi-Arena gab´s Sonntagabend weniger Klassik als sonst. Klar, auf ein paar "Klassik-Hits" verzichteten die Macher auch diesmal nicht. Aber Pop-Fans freuten sich vor allem über ein Wiedersehen mit, sagen wir´s ruhig mal, Musiklegenden samt orchestraler Begleitung.

Am legendärsten - und umstrittensten - von allen ist Ike Turner. Kein Zweifel an seinem Verdienst für Blues, Rhythm And Blues und Rock´n´Roll. Aber ob es wirklich eine gute Idee ist, mit 75 Jahren und fast ohne Regung im Gesicht auf einer Bühne vor mehr als 11 000 Menschen zu stehen? Ike Turner singt zwei Zeilen selbst und spielt dazu E-Gitarre. Danach rettet Lyrica Garett den Auftritt mit ihrer großen Soulstimme.

Stimmgewaltigster "Popstar" ist Tony Henry, eine so genannte "Opernsensation" mit Comedy-Talent. Sein "Miserere" im Duett mit John "Music Was My First Love" Miles ist ein Höhepunkt des gut dreistündigen Spektakels, dem es an fantastischen Licht-Effekten und brillantem Klang mal wieder nicht gefehlt hat.

Die "Proms" lässt jeden gut aussehen. Auch Miriam Stockley mit ihrer schönen, aber eher durchschnittlichen Stimme. Sie darf "Moonlight Shadow" und "To France" von Mike Oldfield singen. Der tritt auch auf, spielt diverse Gitarren und wird völlig zu Recht für seine fraglos legendären "Tubular Bells" vom Publikum gefeiert.

Melodien gehen über alles an diesem Abend. OMD (Orchestral Manoeuvres In The Dark) alias Andy McCluskey und Paul Humphreys haben mit ihrer "Maid Of Orleans" den höchsten Ohrwurm-Faktor. Dazu zappelt McCluskey so absurd über die Bühne, als könne er sein Glück kaum fassen, bei der pompösen Resozialisierungs-Maßnahme für Popstars aus den 80ern dabei sein zu dürfen.

Und Klassik? Gab´s auch. Strawinskys "Feuervogel" mit E-Gitarre, Rossinis "Diebische Elster" im Karibik-Sound (!) und Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung" mit Anleihen bei Emerson, Lake & Palmer - gespielt vom Orchester Il Novecento unter der Leitung von Robert Groslot.

Die heimlichen Gewinner des Abends waren aber Chico & The Gypsies. Früher hat Chico Bouchiki bei den Gipsy Kings gesungen. Als er "Volare" und "Bamboleo" anstimmte, erkannten ihn auch die Leute in der Halle - und freuten sich wirklich sehr darüber.

(aus NRZ, 2006)