|
Viele werden es nicht mehr wissen, aber
Mike Oldfield hatte mal eine große Zeit. 1979 war sie
noch nicht vorüber. Seine ersten Alben waren monströse
Studiokopfgeburten - mal phänomenal schön ("Tubular
Bells"), mal richtungslos ("Hergest Ridge"), seine
späteren wurden kleinteiliger, poppiger, beliebiger.
"Exposed" markiert den Scheitelpunkt: Oldfield hatte die
große orchestrale Form im Griff, lugte aber noch nicht
Richtung Single-Charts. Und er war erstmals auf Tour,
mit immensem Aufwand: Das Orchester war 50-, der Chor
elfköpfig. Oldfield spielt seine gelungensten
Kompositionen ("Tubular Bells", "Incantations"),
integriert aber auch den Disco-Fremdköprer "Guilty" -
eine Andeutung, in welches Flachwasser ihn seine Reise
noch führen sollte. Skurril die Reaktion
des Publikums im bestuhlten Wembley Conference Centre:
Es flippt maßvoll aus und sorgt mit hunderten von
Papierfliegern für hippiehafte Unruhe im Saal und auf
der Bühne. Gefilmt wurde damals mit mehreren Kameras,
was uns auf DVD nun vier Perspektiven beschert. Der
Sound ist brillant und voll, das Bild aber voller
kleiner digitaler Wischer, ein Kameraobjektiv ist sogar
verschmutzt. Sprachauswahl und Untertitel: Fehlanzeige.
(aus Kulturnews)
Als Doppelalbum ist "Exposed" längst ein
wesentlicher Bestandteil der Diskographie des englischen
Multiinstrumentalisten Mike Oldfield. 26 Jahre hat es
gedauert, bis nun endlich das Filmmaterial der 1979er
Tournee auf DVD veröffentlicht wurde. Das Warten hat
sich allerdings gelohnt: Als ob Oldfield die
Möglichkeiten des Mediums vorausgeahnt hätte,
präsentiert sich das Videomaterial mit vier, mittels der
Multi-Angle-Funktion am DVD-Player umschaltbaren,
Kamera-Perspektiven in sehr guter Bildqualität. Die
Möglichkeiten des Mediums werden endlich einmal voll
genutzt.
Die auch soundtechnisch brandneu
remasterten Interpretationen der beiden epischen
Kompositionen "Tubular Bells" und "Incantations" sind
über alle Zweifel erhaben. Das 50-köpfige Orchester
haucht den beiden Werken nicht nur instrumentelles Leben
ein, es brilliert vor allem durch seinen Spielwitz und
eine farbenfrohe Orchestrierung. Oldfield selbst spielt
nicht minder perfekt als auf späteren Alben, wohl aber
weniger steril und mit deutlich mehr Spielfreude.
"Exposed" ist, erst recht als DVD, der Höhepunkt seines
exzellenten Frühwerks, bevor er dann in kommerziellere
Gefilde abwandern sollte. (aus Der Schallplattenmann) |